Einsatz von medizinischem Cannabis bei psychischen Erkrankungen

Psychische Erkrankungen, auch als psychische Störungen bezeichnet, sind Zustände, die das emotionale und psychische Wohlbefinden einer Person beeinträchtigen. Sie betreffen die Fähigkeit, klar zu denken, mit Emotionen umzugehen, in Beziehungen zu anderen Menschen zu treten und alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählen Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Essstörungen, Zwangsstörungen, bipolare Störung und Schizophrenie.
Ursachen von psychischen Erkrankungen
Die Behandlung von psychischen Erkrankungen umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten wie Antidepressiva, Antipsychotika oder Stimmungsstabilisatoren, und Psychotherapie. Für bestimmte Störungen, wie Depressionen und Angststörungen, können Therapien wie die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) besonders hilfreich sein. In schwereren Fällen kann auch ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik erforderlich sein.
Darüber hinaus sind soziale Unterstützungssysteme, regelmäßige körperliche Aktivität und Stressbewältigungsstrategien wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Behandlung.
Psychische Krankheiten und das Endocannabinoid-System
Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein komplexes Netzwerk von Rezeptoren (Cannabinoidrezeptoren), Endocannabinoiden und Enzymen, das eine zentrale Rolle bei der Regulierung diverser physiologischer Prozesse im menschlichen Körper spielt. Dabei ist es nicht nur für die Aufrechterhaltung der Homöostase (Gleichgewicht) verantwortlich, sondern hat auch bedeutende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. [1, 2]
Das ECS moduliert sowohl die Freisetzung als auch die Wirkung von verschiedenen Botenstoffen (Neurotransmittern), die für die Stimmung verantwortlich sind, insbesondere Serotonin („Glückshormon“) und Dopamin. Diese Botenstoffe sind entscheidend für das emotionale Wohlbefinden und die Regulierung von Angst und Freude.
Es wird angenommen, dass eine Dysregulation dieser Systeme zu Stimmungsschwankungen sowie psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen führen könnte. Zudem hat das ECS hat einen erheblichen Einfluss auf die Stressreaktionen des Körpers. Endocannabinoide wie Anandamid können schützend wirken und dabei helfen, die Auswirkungen von Stress abzuschwächen, indem sie die Aktivität des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Systems (HPA) regulieren. Dementsprechend wird angenommen, dass eine ausgeglichene ECS-Aktivität dazu beitragen kann, die physiologischen und psychologischen Reaktionen auf Stressoren zu mildern, wodurch die Stimmung stabilisiert wird.
Das ist nur ein kleiner Auszug zu den Zusammenhängen zwischen dem ESC und psychischen Erkrankungen. Es sind viele weitere Forschungen notwendig, um die genauen Mechanismen zu verstehen und um hieraus die therapeutischen Anwendungen von Cannabinoiden zur Behandlung sicher ableiten zu können.
Medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen
Schlafstörungen sind weit verbreitete Probleme, bei denen Betroffene Schwierigkeiten haben, einzuschlafen, ausreichend und erholsam zu schlafen. Diese Ein- und Durchschlafstörungen können durch zahlreiche Faktoren ausgelöst werden, darunter Stress, psychische Erkrankungen, unregelmäßige Schlafgewohnheiten oder gesundheitliche Probleme. Dabei wird nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt, sondern erhöhen auch das Risiko für körperliche und psychische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Depressionen oder Angststörungen. Deshalb sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung wichtig, um langfristige negative Folgen zu vermeiden.
Aktuell gibt es keine ausreichenden Belege dafür oder dagegen, dass Cannabis schlaffördernde Eigenschaften besitzt. Zwar ist bekannt, dass das Endocannabinoid-System am Schlaf-wach-Rhythmus beteiligt ist, inwieweit Cannabinoide aber tatsächlich den Schlaf beeinflussen, ist nicht bekannt, bzw. scheint die schlaffördernde Wirkung von unterschiedlichen Faktoren wie dem Cannabinoidprofil, der Konsumart sowie individuellen persönlichen Faktoren abhängig zu sein.
Ausführliche Informationen zu Cannabis bei Schlafstörungen finden sich hier.
Medizinisches Cannabis bei Depressionen
Die Depression ist eine ernste psychische Erkrankung, die weit über vorübergehende Traurigkeit oder Stimmungsschwankungen hinausgeht. Sie beeinflusst, wie Menschen denken, fühlen und handeln, und kann zu einer tiefen emotionalen Erschöpfung führen. Betroffene erleben meist anhaltende Gefühle von Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und innerer Leere. Diese Symptome können das tägliche Leben stark beeinträchtigen und zu körperlichen Beschwerden wie Schlafstörungen, Müdigkeit und Appetitlosigkeit führen. Dabei können Depressionen vielfältige Ursachen haben, darunter genetische Veranlagungen, biochemische Veränderungen im Gehirn und belastende Lebensereignisse. Ohne angemessene Behandlung können Depressionen langfristig das Wohlbefinden und die Lebensqualität erheblich einschränken.
Bei einer Depression steht stets die Psychotherapie im Vordergrund. Medikamente können weder die Ursachen beheben noch die Erkrankung „heilen“. Allenfalls können sie als Unterstützung zur Anwendung kommen. Das Gleiche gilt auch für den Einsatz von Cannabis, wobei es keine gesicherten Belege dafür gibt, dass Cannabinoide tatsächlich antidepressiv wirken können.
Weitere Informationen zum Thema Cannabis bei Depressionen gibt es hier.
Medizinisches Cannabis bei bipolarer Störung
Die bipolare Störung zeichnet sich durch extreme Schwankungen der Stimmung und des Energieniveaus aus. Menschen mit dieser Störung erleben abwechselnd Phasen intensiver Euphorie oder gesteigerter Aktivität, die als Manie bezeichnet werden, sowie Phasen tiefer Depression, in denen sie sich erschöpft, niedergeschlagen und oft hoffnungslos fühlen. Diese Stimmungswechsel können Tage, Wochen oder Monate andauern und haben einen erheblichen Einfluss auf das tägliche Leben und die Beziehungen der Betroffenen. Obwohl die genauen Ursachen der bipolaren Störung noch nicht vollständig geklärt sind, spielen genetische Faktoren, neurobiologische Veränderungen und Umweltfaktoren eine wichtige Rolle. Dabei sind eine frühzeitige Diagnose und eine umfassende Behandlung entscheidend, um die extremen Stimmungsschwankungen zu stabilisieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Viele Betroffene neigen zu einem erhöhten Alkohol- und Drogenmissbrauch, weshalb grundsätzlich vom Cannabiskonsum abgeraten wird. Hinzu kommt, dass Cannabis Studien zufolge die Symptome der Erkrankung verschlimmern kann.
Hier gibt es ausführliche Informationen zum Thema bipolare Störung und Cannabis.
Medizinisches Cannabis bei einer Psychose
Eine Psychose ist eine schwere psychische Störung, bei der Betroffene Schwierigkeiten haben, zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden. Zu den Hauptsymptomen gehören Halluzinationen (z. B. das Hören von Stimmen, die nicht existieren), Wahnvorstellungen (irrationale Überzeugungen) und eine gestörte Wahrnehmung der Umwelt. Betroffene können meist nicht klar denken und auch nicht angemessen handeln. In schweren Fällen besteht sogar eine Eigen- und Fremdgefährdung, weshalb eine Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik notwendig ist.
Psychosen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter genetische Veranlagung, psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Drogenmissbrauch sowie schwere traumatische Erlebnisse. Die Behandlung besteht in der Regel aus einer Kombination von Medikamenten (insbesondere Antipsychotika), Psychotherapie und sozialer Unterstützung, um die Symptome zu stabilisieren und die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern. Dabei sind frühzeitige Interventionen und eine kontinuierliche Therapie entscheidend, um den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen.
Cannabis kann eine Psychose auslösen, insbesondere bei Menschen, die anfällig für psychische Erkrankungen sind. Forschungen zeigen, dass der Konsum von Cannabis, insbesondere von hochpotentem Cannabis mit hohem THC-Gehalt, das Risiko für psychotische Episoden erhöhen kann. Auf der anderen Seite legen jedoch Studien nahe, dass CBD womöglich antipsychotische Eigenschaften besitzen könnte.
Mehr zum Thema Psychose und Cannabis bietet dieser Artikel.
Medizinisches Cannabis bei PTBS
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die nach extrem belastenden oder lebensbedrohlichen Ereignissen wie Unfällen, Gewalt, Missbrauch oder Naturkatastrophen auftreten kann. Sie zeigt sich durch intensive Wiedererinnerungen (Flashbacks), Albträume, starke Angst und das Vermeiden bestimmter Situationen, die an das Trauma erinnern. Betroffene leiden oft unter hoher innerer Anspannung, Schlafstörungen und Gefühlen der emotionalen Taubheit oder Entfremdung. Oftmals entwickeln sie auch eine schwere Depression.
Die Behandlung umfasst vor allem psychotherapeutische Ansätze, wie die kognitive Verhaltenstherapie oder EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Bei starken Symptomen können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, um Ängste und Depressionen zu lindern und den Heilungsprozess zu unterstützen. Dabei können eine frühzeitige Diagnose und Behandlung die Chancen auf eine gute Bewältigung deutlich erhöhen.
Bislang gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass Medizinalcannabis die Symptome einer PTBS wirksam lindern kann. Aus Erfahrungsberichten weiß man, dass Cannabis in Einzelfällen zur Symptomlinderung beitragen kann, jedoch kommt bei Betroffenen auch häufig ein Substanzmissbrauch vor. All dies gestaltet eine Cannabis-Therapie schwierig.
Die Inhalte dieses Artikels sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellen weder eine Beratung noch eine Anwendungsempfehlung für Medikamente, Cannabis oder andere Produkte dar. Auch dienen die Inhalte nicht zur Erstellung einer eigenständigen Diagnose oder Auswahl einer Behandlungsmethode. Für Schäden oder Ähnliches, die durch die Nutzung der Inhalte entstehen, kann Greensby weder direkt noch indirekt haftbar bzw. zur Verantwortung gezogen werden. Wir empfehlen grundsätzlich, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.
Medizinisches Cannabis bei Angststörungen
Angststörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen Betroffene übermäßige oder anhaltende Angst und Sorgen erleben, die ihren Alltag stark beeinträchtigen können. In der Regel geht die Angst über normale Stressreaktionen hinaus und tritt in unterschiedlichen Formen auf, wie zum Beispiel Phobien, Panikstörungen, generalisierte Angststörungen oder soziale Angststörungen. Begleitet werden Angststörungen von körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen oder Atemnot.
Grundsätzlich sollte bei Angststörungen immer die Psychotherapie, insbesondere eine Verhaltenstherapie stehen. Medikamente können allenfalls als Unterstützung zur Anwendung kommen.
Studien legen nahe, dass Cannabidiol (CBD) angstlösende Eigenschaften entfalten kann. Doch Cannabis ist hier ein zweischneidiges Schwert, da es auch Ängste auslösen kann, vor allem dann, wenn Cannabissorten einen hohen THC-Gehalt aufweisen. Deshalb ist hier grundsätzlich Vorsicht geboten.
Weitere Informationen zu Angststörungen und Cannabis als Medizin gibt es in diesem Artikel.
Quellen
[1] Rezende B, Alencar AKN, de Bem GF, Fontes-Dantas FL, Montes GC. Endocannabinoid System: Chemical Characteristics and Biological Activity. Pharmaceuticals (Basel). 2023 Jan 19;16(2):148. doi: 10.3390/ph16020148. PMID: 37017445; PMCID: PMC9966761, Download vom 14.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37017445/
[2] Desai S, Borg B, Cuttler C, Crombie KM, Rabinak CA, Hill MN, Marusak HA. A Systematic Review and Meta-Analysis on the Effects of Exercise on the Endocannabinoid System. Cannabis Cannabinoid Res. 2022 Aug;7(4):388-408. doi: 10.1089/can.2021.0113. Epub 2021 Dec 3. PMID: 34870469; PMCID: PMC9418357, Download vom 14.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34870469/
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