Kommentar: Hat das BKA die Pharma übersehen?

In den letzten Stunden mehren sich die Berichte: Ein Sprecher des Bundeskriminalamts hat sich zur Legalisierung geäußert. Das Fazit: Die wenigen zugelassenen Anbauvereinigungen hätten keinen Einfluss auf den Schwarzmarkt und die Justiz werde durch das neue Gesetz nicht entlastet.
Stimmt das? Wenn man der Formulierung ganz genau folgt: ja. Die Zahl der zugelassenen Anbauvereinigungen lässt sich an zwei Händen abzählen. Die Mitglieder aller Clubs zusammengenommen würden vermutlich locker in ein kleines Stadion passen. Einen spürbaren Einfluss auf den Schwarzmarkt hat das – noch – tatsächlich nicht. Da muss man Holger Münch, dem Präsidenten des BKA, Recht geben.
Schwerer nachzuvollziehen sind jedoch die weiteren Argumente. Etwa die Aussage, die Entkriminalisierung des Besitzes von 25 bzw. 50 Gramm Cannabis würde den sogenannten „Ameisenhandel“ fördern – also den Verkauf in Kleinstmengen. Wirklich? Hat die Polizei nichts Wichtigeres zu tun, als Konsumenten mit weniger als 50 Gramm im Rucksack hinterherzujagen? Während tonnenweise illegales Cannabis auf dem Markt landet, redet das BKA von „Ameisenhandel“?
In der gesamten illegalen Lieferkette ist der kleine Parkdealer aus dem Görli doch das unbedeutendste Glied überhaupt. Dass er durch das neue Gesetz vielleicht nicht mehr automatisch im Knast landet, sollte angesichts der realen Probleme kaum Grund zur Sorge sein.
Aber klar: Für den Ermittlungsaufwand sind solche Fälle natürlich attraktiv. Man stellt ein paar Zivilbeamte ab, kontrolliert gezielt, und schon hat man drei neue Dealer für die Statistik – die am nächsten Tag meist wieder freigelassen werden. Ob das wirklich sinnvolle Polizeiarbeit ist? Wohl eher nicht. Aber es ist einfach – und business as usual.
Und noch etwas scheint in der aktuellen Debatte komplett unterzugehen: Hat man eigentlich auf dem Schirm, wie viele legale Cannabis-Patienten im letzten Jahr neu hinzukamen? Jedes Gramm, das in der Apotheke gekauft wird, wird logischerweise nicht auf dem Schwarzmarkt beschafft. Allein in meinem Umfeld kenne ich kaum noch jemanden ohne Rezept.
Kaum eine Branche bedroht den Schwarzmarkt derzeit so stark wie die Pharma – aber darüber wird erstaunlich wenig gesprochen.
Quellenverzeichnis
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1 https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2025/bka-praesident-zieht-kritisches-fazit-ueber-das-cannabisgesetz/
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2 https://www.rnd.de/politik/das-bundeskriminalamt-will-weiter-gegen-den-drogenhandel-kaempfen-7U66SN6URZCURCQQI2ABBN5Y2I.html
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3 https://regionalheute.de/bka-sieht-keine-wirkung-der-cannabis-legalisierung-auf-schwarzmarkt-1745273043/
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4 https://www.nzz.ch/international/haerter-und-toedlicher-der-chef-des-bundeskriminalamtes-warnt-vor-einer-drogenschwemme-in-deutschland-ld.1881024
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