CBD: Immunsystem stärkend oder doch nicht?

CBD-Immunsystem

Einfach erklärt ist das Immunsystem ein Abwehrsystem des Körpers, das nach Eindringlingen wie Viren, Bakterien oder anderen schädlichen Stoffen sucht, die Beschwerden und Krankheiten auslösen. Identifiziert es Eindringlinge, greift es an, um die Bedrohung zu beseitigen. Dabei wird zwischen der angeborenen und der erworbenen Immunfunktion unterschieden.

Während der angeborene Schutz sofort reagiert, lernt die erworbene Immunfunktion immer mehr dazu. Wenn das Immunsystem beispielsweise einen Virus bereits einmal bekämpft hat, erinnert es sich daran und kann gegen diesen beim nächsten Mal schneller und gezielter vorgehen.

Mechanismen des Immunsystems

Das Immunsystem hat verschiedene Barrieren wie die Haut und Schleimhäute, die verhindern, dass schädliche Stoffe o. ä. überhaupt in deinen Körper gelangen. Die Immunität wird hingegen durch das Zusammenwirken verschiedener Zelltypen aufrechterhalten. Zu diesen Zelltypen gehören vor allem Neutrophile, Makrophagen und andere myeloische Zellen, die das angeborene Immunsystem bilden, das schnell auf die Zerstörung von Krankheitserregern reagiert. Falls die angeborene Reaktion nicht ausreicht, können bestimmte Zellen die erworbene Immunantwort aktivieren, die sich hauptsächlich aus T- und B-Zellen zusammensetzt.

T-Zellen können Signale aussenden, die andere Immunzellen rekrutieren und aktivieren, oder infizierte Zellen direkt lysieren oder deren Apoptose (Zelltod) einleiten. Zudem können T-Zellen zur Stimulierung von B-Zellen beitragen, die Antikörper produzieren, um Krankheitserreger zu neutralisieren und/oder die Zerstörung der Krankheitserreger zu fördern.

Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Zelltypen übernehmen die sogenannten Zytokine. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Peptiden, die auch als Wachstumsfaktoren bezeichnet werden.

Manchmal macht das Immunsystem aber auch Fehler, zum Beispiel dann, wenn es harmlose Stoffe wie Pollen als gefährlich ansieht, was zu Allergien führen kann. In einigen Fällen kann es körpereigene Zellen angreifen, was sogenannte Autoimmunerkrankungen verursacht.

Zusammenhang zwischen dem Immunsystem und dem Endocannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System (ECS) mit seinen Cannabinoid-Rezeptoren 1 (CB1) und 2 (CB2) sowie den endogenen Liganden (Endocannabinoide) reguliert eine Vielzahl an verschiedenen physiologischen Prozessen im Körper, wie beispielsweise das Schmerzempfinden, Emotionen, Schlaf und Entzündungen. Auch an der Regulation des Immunsystems ist das ECS beteiligt, bzw. an verschiedenen Stellen an der Regulierung der Immunzellenaktivitäten.  

Dementsprechend spielt das ECS eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Homöostase (Gleichgewicht) im Körper, einschließlich der Kontrolle von Entzündungs- und Immunreaktionen.

Die CB2-Rezeptoren vor allem in Immunzellen vor, und wenn sich Endocannabinoide oder Cannabinoide aus der Cannabis-Pflanze an diese binden, können sie die Aktivität des Immunsystems modulieren. Das bedeutet, dass sie einen Einfluss auf die Stärke und Art der Immunantwort haben kann. Beispielsweise kann die Aktivierung der CB2-Rezeptoren Entzündungen verringern, indem die Freisetzung entzündungsfördernder Stoffe gehemmt und die Produktion entzündungshemmender Substanzen gefördert werden.

Darüber hinaus spielen auch die CB1-Rezeptoren, die vor allem im Nervensystem vorkommen, eine Rolle bei der Immunregulation, insbesondere durch ihre Wirkung auf die Kommunikation zwischen dem Nervensystem und dem Immunsystem. Dies kann in Stresssituationen wichtig sein, da Stress das Immunsystem beeinflussen kann.[1]

Einfluss von CBD auf das Immunsystem

Um die Effekte von Cannabidiol (CBD) zu verstehen, betrachten Wissenschaftler verschiedene Zelltypen des Immunsystems und deren Funktionen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Produktion von Zytokinen. Diese Botenstoffe lassen Immunzellen miteinander kommunizieren und steuern die Immunreaktionen. Während einige Zytokine wie IL-1α, IL-1β, IL-6, TNF-α und IL-17A Entzündungen fördern, können andere wie IL-10 entzündungshemmend wirken. CBD kann diese Prozesse beeinflussen, indem es die Aktivität und Produktion der Zytokine verändert.

Unter Berücksichtigung der Studien, die zu Immunreaktionen und Entzündungen durchgeführt wurden, zeigen die Daten interessanter Weise, dass CBD immunsuppressiv und entzündungshemmend wirken kann. Dabei gehören zu den entscheidenden Zielen der Unterdrückung des Immunsystems Zytokine wie TNF-α, IFN-γ, IL-6, IL-1β, IL-2 und IL-17A.[2, 3]

Das bedeutet, dass CBD womöglich das Immunsystem unterdrückt, sodass es nicht mehr richtig arbeiten kann. Bei Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel rheumatoider Arthritis, Multiple Sklerose oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, kann dies nützlich sein, da hier das Immunsystem „überaktiv“ ist bzw. richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Solch eine Fehlleitung des Immunsystems wird in der Regel im Rahmen einer Therapie mit speziellen Medikamenten (Immunsuppressiva) behandelt.

CBD als Immunmodulator 

Ein Immunmodulator ist etwas, das das Immunsystem entweder unterdrücken oder stimulieren kann. Obwohl es ziemlich viele Hinweise darauf gibt, dass CBD immunsupprimierende Eigenschaften haben kann, gibt es nicht genügend Ergebnisse aus Studien, die darauf schließen lassen, dass es das Immunsystem stimulieren könnte. 

Oftmals wird behauptet, dass CBD das Immunsystem unterstützt, weil es den Schlaf verbessern und die Auswirkungen von Stress reduzieren könnte. Schlechter Schlaf und Stress sind tatsächlich mit einer schlechteren Funktion des Immunsystems verbunden. Dieser Zusammenhang muss jedoch noch weiter untersucht werden, bevor wir es mit Sicherheit wissen.

Hinweis: In den oben aufgeführten Informationen berichten wir ausschließlich über verschreibungspflichtiges Medizinalcannabis mit all seinen Cannabinoiden oder verschreibungspflichtiges CBD. Die Studienergebnisse sind nicht auf frei käufliche CBD-Produkte wie CBD-Öle, -Kapseln etc. übertragbar. Zudem machen wir zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschläge und geben auch keine Anwendungsempfehlungen oder Nutzversprechen.

Frei käufliche CBD-Produkte zur Stärkung des Immunsystems?

CBD als starker Partner für ein intaktes Immunsystem, CBD zur Unterstützung des Immunsystems, CBD stärkt die Immunabwehr – immer wieder werden frei käufliche CBD-Produkte (z. B. CBD-Öl) mit diesen Slogans beworben. Es werden sogar spezielle CBD-Öle, Tropfen oder Kapseln zur Stärkung des Immunsystems angeboten, wie zum Beispiel ein CBD-Öl, das zusätzlich noch Vitamine enthält.

Den Anbietern zufolge soll CBD „wesentliche Parameter für ein intaktes Immunsystem“ unterstützen, indem es den Schlaf fördert und Stress reduziert. Sicherlich kommen ausreichend Schlaf und wenig Stress der Gesundheit zugute und damit auch dem Immunsystem. Dafür ist aber die Anwendung von CBD-Produkten nicht notwendig – zumal unklar ist, ob CBD tatsächlich den Schlaf fördert.

Dass CBD eine immunsuppressive Wirkung entfaltet, also die Abwehrkräfte schwächt, wird völlig ignoriert. Dabei können auch medizinische Laien sich ausrechnen, was passiert, wenn man beispielsweise unter einer Erkältung leidet oder sowieso schon ein geschwächtes Immunsystem besitzt und zusätzlich eine Substanz einnimmt, die immunsuppressive Eigenschaften entfalten kann. Wir raten hier deshalb eindringlich zur Vorsicht und nicht zur Einnahme von CBD.

Zusammenfassung zu CBD und das Immunsystem

Das Zusammenspiel zwischen dem Immunsystem, dem Endocannabinoid-System mit seinen CB1 und CB2-Rezeptoren sowie den Endocannabinoiden ist äußerst komplex. Das Gleiche gilt für den Wirkmechanismus von CBD (Cannabidiol), der noch lange nicht komplett entschlüsselt ist. Das betrifft auch die immunregulierenden Eigenschaften des Cannabinoids.

Die meisten Arbeiten in der Forschung zu CBD und dem Abwehrsystem umfassen Tier- und Laborstudien. Diese legen nahe, dass CBD nicht die Abwehr stärkt, sondern ein wirksames Immunsuppressivum sein könnte, was für Menschen mit einer Autoimmunerkrankung nützlich sein könnte.

Informationen zu Cannabis als Medizin und mögliche Einsatzgebiete sind hier zu finden.

Die Inhalte dieses Artikels sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellen weder eine Beratung noch eine Anwendungsempfehlung für Medikamente, Cannabis oder andere Produkte dar. Auch dienen die Inhalte nicht zur Erstellung einer eigenständigen Diagnose oder Auswahl einer Behandlungsmethode. Für Schäden oder Ähnliches, die durch die Nutzung der Inhalte entstehen, kann Greensby weder direkt noch indirekt haftbar bzw. zur Verantwortung gezogen werden. Wir empfehlen grundsätzlich, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.

FAQ

Wofür steht CBD?

CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, ein Phytocannabinoid aus der Hanfpflanze. Dabei kann die Hanfpflanze mehr als 100 verschiedene (Phyto-) Cannabinoide bilden. Am bekanntesten ist das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC), das eine berauschende Wirkung entfaltet. CBD wirkt hingegen nicht berauschend und besitzt ein breit gefächertes therapeutisches Potenzial.

Ist CBD gut für das Immunsystem?

Cannabidiol (CBD) kann eine immunsuppressive Wirkung entfalten. Das bedeutet, dass CBD die Immunabwehr schwächen kann. Bei Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, bei denen das Immunsystem „überaktiv“ ist, kann die immunsuppressive Wirkung von medizinischem CBD nützlich sein.

Schwächt CBD das Immunsystem?

Untersuchungen legen nahe, dass CBD die Abwehrkräfte schwächen kann, bzw. immunsuppressive Effekte verursachen kann. Deshalb ist beim Einsatz von CBD, beispielsweise bei einer Erkältung oder zur Behandlung verschiedener Infekte grundsätzlich Vorsicht geboten. Um kein Risiko einzugehen, sollte vor der Verwendung Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.

Quellen

[1] Lowe H, Toyang N, Steele B et. al, The Endocannabinoid System: A Potential Target for the Treatment of Various Diseases. Int J Mol Sci. 2021 Aug 31;22(17):9472. doi: 10.3390/ijms22179472. PMID: 34502379; PMCID: PMC8430969, Download vom 1.1.2025 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34502379/

[2] Nichols JM, Kaplan BLF. Immune Responses Regulated by Cannabidiol. Cannabis Cannabinoid Res. 2020 Feb 27;5(1):12-31. doi: 10.1089/can.2018.0073. PMID: 32322673; PMCID: PMC7173676, Download vom 1.1.2025 von https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7173676/

[3] Dhital S, Stokes JV, Park N et. al, Cannabidiol (CBD) induces functional Tregs in response to low-level T cell activation. Cell Immunol. 2017 Feb;312:25-34. doi: 10.1016/j.cellimm.2016.11.006. Epub 2016 Nov 9. PMID: 27865421; PMCID: PMC5327652, Download vom 1.1.2025 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27865421/

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Autorin

Alexandra Latour

Alexandra Latour hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Redakteurin und freiberufliche Autorin in der Health-Care-Branche. Anfang 2017 übernahm sie die Stelle als stellvertretende Chefredakteurin bei Leafly Deutschland und eignete sich in den darauffolgenden Jahren eine umfangreiche Fachexpertise in den Themen medizinisches Cannabis und frei käufliche CBD-Produkte an. Inzwischen ist Alexandra in der Cannabis-Branche fest verwurzelt und setzt sich neben ihrer Haupttätigkeit als Medizinredakteurin für die Aufklärung ein. Bitte beachten: Die Inhalte der Artikel sind ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin und spiegeln nicht zwingend die Ansichten des gesamten Teams wider.

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