Cannabis Nebenwirkungen: Kurzzeit- und Langzeiteffekte

Cannabis wirkt auf den Körper durch die in der Cannabispflanze enthaltenen chemischen Stoffe, die sogenannten Cannabinoide. Zu den bekanntesten Cannabinoiden gehören Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Diese beeinflussen das Endocannabinoid-System (ECS), das an der Regulation verschiedener Prozesse wie der Emotionen, dem Schmerzempfinden, Appetit und Schlaf beteiligt ist. Dementsprechend können psychische und körperliche Nebenwirkungen auftreten. Dabei ist die Wirkung von Cannabis äußerst komplex und hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Konsumform (Rauchen/Verdampfen/Essen/orale Einnahme), Dosis, Erwartungshaltung, Umgebung (Set und Setting), körperliche und psychische Verfassung.
Während die eine Nebenwirkung durchaus erwünscht ist, kann die andere Nebenwirkung hingegen sehr unangenehm sein.
Akute körperliche Nebenwirkungen von Cannabis
Die akuten körperlichen Nebenwirkungen setzen oft schon wenige Minuten bis Stunden nach dem Cannabiskonsum ein und klingen meist nach einigen Stunden wieder ab.
Eine der häufigsten unmittelbaren Reaktionen auf THC ist eine erhöhte Herzfrequenz (Herzrasen), da das Cannabinoid an Rezeptoren bindet, die an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt sind. Bei höheren Dosen oder besonders empfindlichen Personen kann dies zu einem deutlich beschleunigten Herzschlag führen (Tachykardie), was das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme wie Herzrhythmusstörungen erhöht. Aus diesem Grund sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen Vorsicht walten lassen und vom Konsum absehen.
Oftmals kommt es zunächst zu einem Anstieg des Blutdrucks, gefolgt von einem Abfall, wenn die Wirkung abnimmt. Dieser plötzliche Blutdruckabfall kann in manchen Fällen zu Schwindel oder einem Gefühl der Benommenheit führen, insbesondere beim Aufstehen.
Des Weiteren kann THC die Blutgefäße erweitern, wodurch die kleinen Blutgefäße in den Augen stärker durchblutet werden, was die typischen „roten Augen“ verursacht. Gleichzeitig kann sich der Tränenfluss abnehmen, was zu einem trockenen, manchmal leicht juckenden Gefühl in den Augen führt.
Bekannt ist auch der „Cottonmouth“ (Mundtrockenheit). Denn Cannabis kann den Speichelfluss beeinflussen und oftmals verspürt eine Person nach dem Cannabiskonsum einen trockenen Mund.
Typisch ist zudem ein vermehrter Appetit. Denn THC wirkt direkt auf den Hypothalamus, der den Appetit steuert, und kann Heißhungeranfälle („Munchies“) auslösen. Viele Konsumenten verspüren eine starke Lust auf Essen, insbesondere auf salzige, fettige oder süße Lebensmittel. Zwar ist dies nicht gefährlich, kann aber bei bestimmten Erkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit zu einem Problem werden.
Darüber hinaus kann THC auf das Kleinhirn wirken, das für die Feinmotorik und die Koordination zuständig ist. Infolge dessen können Symptome wie Bewegungsstörungen und Koordinationsprobleme auftreten, was die Reaktionsfähigkeit erheblich einschränken kann.
Paradoxe Nebeneffekte von Cannabis
Der Cannabis-Konsum kann auch paradoxe Wirkungen auslösen, wie zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen. Obwohl Cannabis bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen zur Anwendung kommt, kann es auch selbst diese Beschwerden auslösen. Dieser Effekt kann vor allem bei hohen Cannabisdosen auftreten.
Manche Menschen reagieren auf Cannabis mit Kopfschmerzen oder einem Druckgefühl im Kopf. Dies kann durch die Wirkung von THC auf die Blutgefäße und Nerven im Gehirn bedingt sein. Auf der anderen Seite gibt es Studien, in der die Wirkung von Cannabis auf Kopfschmerzen untersucht wurde. Beispielsweise fanden sich hier Hinweise, dass Nabilon (synthetisch hergestelltes THC) womöglich in der Lage sein könnte, die Häufigkeit von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu verringern.[1]
Das Gleiche gilt für das Thema Schlafstörungen. Bei manchen Konsumenten löst Cannabis Schlafprobleme aus, insbesondere in hoher Dosierung. Bei anderen Menschen wirken Cannabinoide jedoch schlaffördernd, was vermutlich vor allem vom jeweiligen Cannabinoidprofil abhängig ist.
Schmerzlindernde Effekte von Cannabis
Ein durchaus erwünschter Effekt von Cannabis sind für Patienten die schmerzlindernden Effekte. Insbesondere bei chronischen Schmerzen hat medizinisches Cannabis sein therapeutisches Potenzial in Studien gezeigt.[2] Dabei erfolgt die Therapie entweder mit medizinischen Blüten, Rezepturarzneimitteln (z. B. Extrakte oder Dronabinol) und Fertigarzneimitteln (z. B. Sativex).
Akute psychische Nebenwirkungen von Cannabis
Der Konsum von Cannabis hat akute Auswirkungen auf die Psyche. Zu den erwünschten Wirkungen zählen unter anderem innere Ruhe und ein Gefühl der völligen Entspannung durch die Reduktion von Stress, eine gehobene Stimmung bis hin zur Euphorie sowie das Gefühl der Leichtigkeit und das „Wattegefühl“. Auch die Kreativität kann durch Cannabis gefördert werden.
Der Cannabiskonsum kann jedoch auch unangenehme Folgen haben. Die Wahrnehmung kann sich verändern, sodass Farben, Geräusche und sogar die Zeit intensiver oder anders empfunden werden, was zu Verwirrtheit und Desorientiertheit führen kann. Auch auf das Denken hat Cannabis Einfluss. Es können kurzfristige Gedächtnisprobleme, Erinnerungslücken und Konzentrationsstörungen auftreten. Besonders unangenehme Folgen des Konsums sind, wenn sich Angst, Panik und Paranoia sowie in Einzelfällen Halluzinationen breitmachen. Grund hierfür ist meist ein hoher THC-Gehalt.
Wenn es um die Wirkungen von Cannabinoiden geht, müssen wir natürlich auch das Thema psychische Krankheiten ansprechen. Der regelmäßige Cannabis-Konsum, insbesondere der von stark THC-haltigen Sorten, kann das Risiko erhöhen, eine Psychose zu erleiden.[3] Vorsicht ist auch geboten, wenn ein Mensch unter Depressionen leidet, da Cannabis Auswirkungen auf die Stimmung hat. Zwar geben verschiedene Studien Hinweise darauf, dass Cannabis als Medizin womöglich antidepressive Effekte auslösen kann, die Studienlage ist jedoch sehr begrenzt.[4]

Langzeiteffekte des Cannabiskonsums bei Jugendlichen
Die Wirkungen von Cannabis auf die Entwicklung des Gehirns sind bisher kaum untersucht worden. Ethisch ist es nicht vertretbar, Studien mit Kindern und Jugendlichen durchzuführen und diese einer Gefahr auszusetzen. Es gibt jedoch Studien an jungen Menschen, die regelmäßig Cannabis konsumiert haben, sowie an Tiermodellen und Zellkulturen.
Aus Untersuchungen ist bekannt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Kontakt des Gehirns mit Cannabis und der Hirnstruktur existiert. Jedoch ist nicht geklärt, wie genau diese Änderungen der Hirnstruktur aussehen. Von Bedeutung ist aber, dass vergrößerte und verkleinerte Hirnvolumina beobachtet wurden. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, wie zum Beispiel das Alter, in dem der Konsum begonnen hat, die Dosis und ob weitere Substanzen wie Nikotin oder Alkohol konsumiert wurden. Dass diese Veränderungen zu Beeinträchtigungen in der Leistungsfähigkeit des Gehirns und Denk- und Merkfähigkeit auswirken, ist hingegen gut untersucht.[5]
Nebenwirkungen von Cannabis: Studie mit Jugendlichen
An den neurobiologischen Veränderungen ist vermutlich das Endocannabinoid-System maßgeblich beteiligt. Interessant ist hier eine Studie, an der 46 14-jährige Jugendliche teilnahmen. Bei einer Befragung gaben diese an, in ihrem Leben bereits ein- bis zweimal Cannabis konsumiert zu haben. Daraufhin analysierten die Forscher die Gehirnstrukturen und verglichen die Ergebnisse mit einer Gruppe von Jugendlichen, die noch nie Cannabis ausprobiert hatten.
Es zeigte sich, dass das Volumen der Grauen Substanz in Hirnregionen, in denen das Endocannabinoid-System stark aktiv ist, höher war als bei der Vergleichsgruppe. Hieraus schlussfolgerten die Forscher, dass bereits der ein- oder zweimalige Cannabiskonsum Veränderungen im Gehirn bewirken können. Dabei waren besonders der Hippocampus, der für das räumliche Denken zuständig ist, und die Amygdala betroffen, die die Emotionen steuert. Auch im Kleinhirn konnten Volumenzuwächse beobachtet werden.[6]
Welche Auswirkungen diese Veränderungen durch den geringen Gebrauch von Cannabis langfristig haben könnten, ob beispielsweise das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depression oder Psychosen erhöht wird oder die Gedächtnis- und Lernfähigkeit langfristig beeinträchtigt wird, ist unklar. Bekannt ist jedoch, dass der regelmäßige Cannabiskonsum Folgeschäden wie eine verminderte Selbstkontrolle, erhöhte Impulsivität, Antriebsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Störungen im Lernverhalten und Kurzzeitgedächtnisses und im schlussfolgernden Denken auslösen kann.
Langzeiteffekte des Cannabiskonsums bei Erwachsenen
Auch bei Erwachsenen kann der regelmäßige Konsum von Cannabis Risiken bergen und die körperliche sowie geistige Gesundheit langfristig beeinträchtigen. Oftmals zeigen sich eine Konzentrationsschwäche sowie eine Störung bei der Lernfähigkeit und der Problemlösungskompetenz.
Darüber hinaus besitzt Cannabis ein gewisses Suchtpotenzial. Der regelmäßige Konsum von Cannabis kann zu einer psychischen Abhängigkeit führen, sodass bei dem Versuch, den Konsum zu reduzieren oder ganz zu verzichten, Symptome wie Gereiztheit, Nervosität, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit ausgelöst werden können.
Langfristige Nebenwirkungen können zudem die Atemwege betreffen. Denn beim Rauchen von Cannabis mit Tabak entstehen Schadstoffe, die die Atemwege reizen und das Risiko für Husten, Bronchitis und andere Atemwegserkrankungen erhöhen. In Bezug auf das Verdampfen von Cannabis oder das Rauchen von Cannabis ohne Tabak sind die langfristigen Folgen noch nicht umfassend erforscht, aber Hinweise auf mögliche Lungenschäden bestehen.
Zusammenfassung zu den Nebenwirkungen von Cannabis
Egal, ob Drogen, Medikamente, pflanzliche Arzneimittel oder andere Substanzen – alles, was wir dem Körper zuführen, kann Nebenwirkungen auslösen. Das gilt auch für die Cannabispflanze mit ihren Cannabinoiden wie THC und CBD.
Die Wirkung von Cannabis kann stark variieren und hängt insbesondere vom THC-CBD-Gehalt, der Dosis, der individuellen Toleranz und der Konsumhäufigkeit ab. Während die eine Wirkung erwünscht ist, können andere Wirkungen das Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Solche „negativen“ Nebenwirkungen können sich durch Beschwerden, wie beispielsweise innere Unruhe, Angst, Panikgefühle, Herzrasen, Mundtrockenheit, Schwindel oder Müdigkeit, äußern. Diese lassen in der Regel nach, sobald die Wirkung ebenfalls nachlässt. Auch der langfristige Konsum birgt Risiken, die den Körper und die Psyche betreffen können.
In diesem Sinne: Geht mit dem Einsatz von Cannabis vorsichtig um.
Informationen zu den Wechselwirkungen zwischen Cannabis und Medikamenten gibt es hier.
Die Inhalte dieses Artikels sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellen weder eine Beratung noch eine Anwendungsempfehlung für Medikamente, Cannabis oder andere Produkte dar. Auch dienen die Inhalte nicht zur Erstellung einer eigenständigen Diagnose oder Auswahl einer Behandlungsmethode. Für Schäden oder Ähnliches, die durch die Nutzung der Inhalte entstehen, kann Greensby weder direkt noch indirekt haftbar bzw. zur Verantwortung gezogen werden. Wir empfehlen grundsätzlich, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.
FAQs
Was macht Cannabis auf Dauer mit dem Körper?
Die Folgen des regelmäßigen Konsums sind noch nicht abschließend geklärt. In vielen Fällen wurde beobachtet, dass es zu Beeinträchtigungen von Konzentration, Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit kommen kann. Bei Personen, die die Kombination Cannabis und Tabak bevorzugen, könnte zudem das Risiko für Lungenkrebs erhöht sein.
Was sind die Symptome von Cannabiskonsum?
Cannabinoide können die unterschiedlichsten Wirkungen auslösen. So können sie beispielsweise Entspannung und Euphorie verursachen, aber auch unangenehme Nebenwirkungen wie Ängste, Panik und Wahnvorstellungen. Auch auf den Körper hat Cannabis unterschiedliche Auswirkungen wie Herzrasen, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit und Mundtrockenheit.
Wie verändert Cannabis die Persönlichkeit?
Der regelmäßige Cannabiskonsum kann die Risiken erhöhen, an psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Psychosen erkranken oder diese zu verschlimmern, was wiederum erheblichen Einfluss auf die Persönlichkeit hat.
Quellen
[1] Hameed M, Prasad S, Jain E, Dogrul BN et. al, Medical Cannabis for Chronic Nonmalignant Pain Management. Curr Pain Headache Rep. 2023 Apr;27(4):57-63. doi: 10.1007/s11916-023-01101-w. Epub 2023 Mar 10. PMID: 36897501; PMCID: PMC9999073, Download vom 29.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36897501/
[2] Pini LA, Guerzoni S, Cainazzo MM et. al, Nabilone for the treatment of medication overuse headache: results of a preliminary double-blind, active-controlled, randomized trial. J Headache Pain. 2012 Nov;13(8):677-84. doi: 10.1007/s10194-012-0490-1. Epub 2012 Oct 16. PMID: 23070400; PMCID: PMC3484259, Download vom 29.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23070400/
[3] C Hjorthøj, et al. Association between cannabis use disorder and schizophrenia stronger in young males than in females(link is external). Psychological Medicine. DOI: 10.1017/S0033291723000880 (2023), Download vom 29.10.2024 von https://www.nih.gov/news-events/news-releases/young-men-highest-risk-schizophrenia-linked-cannabis-use-disorder
[4] Sartim AG, Guimarães FS, Joca SR. Antidepressant-like effect of cannabidiol injection into the ventral medial prefrontal cortex-Possible involvement of 5-HT1A and CB1 receptors. Behav Brain Res. 2016 Apr 15;303:218-27. doi: 10.1016/j.bbr.2016.01.033. Epub 2016 Jan 20. PMID: 26801828, Download vom 29.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26801828/
[5] Panlilio LV, Justinova Z. Preclinical Studies of Cannabinoid Reward, Treatments for Cannabis Use Disorder, and Addiction-Related Effects of Cannabinoid Exposure. Neuropsychopharmacology. 2018 Jan;43(1):116-141. doi: 10.1038/npp.2017.193. Epub 2017 Aug 28. PMID: 28845848; PMCID: PMC5719102, Download vom 29.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28845848/
[6] Orr C, Spechler P, Cao Z, Albaugh M et. al, Grey Matter Volume Differences Associated with Extremely Low Levels of Cannabis Use in Adolescence. J Neurosci. 2019 Mar 6;39(10):1817-1827. doi: 10.1523/JNEUROSCI.3375-17.2018. Epub 2019 Jan 14. PMID: 30643026; PMCID: PMC6407302, Download vom 29.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30643026/
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