Cannabis- oder Hanfsamen sind einer der vielen Rohstoffe, die man aus Cannabis gewinnen kann. Die Samen werden hauptsächlich zur Ölproduktion oder als Tierfutter eingesetzt. Sie enthalten essenzielle Aminosäuren und sind eine hervorragende Quelle für pflanzliches Protein, Omega-3 und -6 Fettsäuren, Ballaststoffe und Mineralien. Mit anderen Worten: Hanfsamen sind super gesund! Trotzdem: In einem Joint sind Samen völlig fehl am Platz!

Samen: Wieso, weshalb, warum?

Die weibliche Cannabisblüte ist der einzige Ort, an dem die Pflanze, so sie denn von einem männlichen Gegenstück befruchtet wurde, ihre Samen für die nächste Saison bildet. Mit dem Ende der Blütephase sind die Samen fertig ausgereift. Die einjährige Cannabispflanze stirbt ab und hat ihr einziges Lebensziel erreicht: Das Überleben der Art ist gesichert!

Über den Winter sind die Samen oft noch in den langsam vertrocknenden Blüten geschützt. Spätestens im Frühjahr löst sich die Blüte dann auf, die Samen fallen auf den Boden und keimen im besten Fall zu einer neuen Generation heran. So läuft es nicht nur bei Cannabis, sondern bei fast allen Pflanzensorten auf unserer Erde. Nur gibt es bei Cannabis eben noch eine kleine Besonderheit…

Cannabisblüten, unbefruchtet
Abb.1: Wenn die Blüten befruchtet wurden, bilden sich in den weiblichen Cannabisblüten Samen . Männliche Cannabisblüten enthalten keine Samen – nur Pollen.

Wirkstoff und Nachwuchs

In den Blüten weiblicher Cannabispflanzen entsteht und lagert nicht nur der Nachwuchs! Auch Wirkstoffe wie THC und CBD sowie Terpene, sind in den Blüten am höchsten konzentriert – genauer gesagt im Harz, welches wie eine dünne Schicht auf den Blüten liegt.

Auf den ersten Blick sind Samen in Cannabisblüten kein Nachteil. Bedenkt man allerdings, dass bei der Verbrennung der Samen giftige Dämpfe entstehen, die anschließend inhaliert werden, ist klar: Cannabisblüten, die geraucht werden, sollten auf keinen Fall Samen enthalten!

Werden die Öle und Fette in den Hanfsamen verbrannt, entstehen dadurch giftige Dämpfe mit einem hohen Anteil an Formaldehyd, Acrolein und anderen Toxinen, die zu Atembeschwerden und anderen gesundheitlichen Problemen führen können. Vom schrecklich kratzigen Geschmack und dem seltsamen Knistern mal ganz abgesehen, ist es also wirklich ungesund, versamtes Cannabis zu rauchen.

Cannabisblüten mit Samen zu rauchen ist nicht empfehlenswert...
Abb.2: Der Rauch von verbrannten Samen enthält viele, teils stark krebserregende Schadstoffe – und kratzt fürchterlich!

Ursachen – Und Lösungen!

Damit sich in den Blüten überhaupt Samen bilden, muss die weibliche Blüte von männlichem Pollen befruchtet werden. Um dies zu verhindern, werden männliche Pflanzen daher logischerweise direkt zu Beginn der Blütephase aussortiert oder von vorneweg feminisiertes Saatgut verwendet, welches nur weibliche Pflanzen hervorbringt. So kann man, jedenfalls indoor, sicherstellen, dass sich im Growraum ausschließlich weibliche Pflanzen befinden. Wird die Zuluft zusätzlich gefiltert, ist man praktisch auf der sicheren Seite und kann sich auf eine samenfreie Ernte freuen.

Es gibt jedoch auch weibliche Pflanzen, die trotz ihres Gechlechtes einzelne männliche Blüten ausbilden. Diese bezeichnet man als “Hermaphroditen” (Umgangssprachlich “Zwitter”). Für Indoor-Cannabisgrower ist der Anblick einer zwitternden Pflanze ein Stich ins Herz: Die Pflanze muss möglichst schnell aussortiert und entsorgt werden, bevor sie andere bestäubt. Je nachdem, wie weit die männlichen Blüten entwickelt sind, kann ihr Pollen im schlimmsten Fall bereits den ganzen Raum befruchtet haben.

Einige Nutzhanf-Genetiken wurden sogar extra so gezüchtet, dass sie regelmäßig Hermaphroditen bilden: Für einen auf dem Acker regelmäßig verteilten und möglichst hohen Samenertrag ist es ja sogar von Vorteil, wenn jede weibliche Pflanze quasi ihren eigenen Befruchter direkt mitbringt!

Werden Zwitterpflanzen zu spät bemerkt oder absichtlich ignoriert, kann man das versamte Blütenmaterial später noch zu Haschisch oder potenten Edibles weiterverarbeiten. Geraucht werden, sollten die Blüten jedoch nicht mehr.

„Ich sortier´ die Samen einfach aus“ – Nice try!

Ja, als Gärtner*in ist man Stolz auf seine Ernte! Und trotzdem: Bei versamten Blüten sollte man sein Ego nicht zu ernst nehmen und wirklich auf das Rauchen verzichten! Neben den voll entwickelten Samen gibt es auch unzählige winzig kleine “Microseeds”.

Diese weniger als einen Millimeter kleinen Samen sind nicht voll entwickelt, enthalten aber bereits Öle und Fette. Auch wenn sie wirklich winzig sind: Die Menge ist ausschlaggebend! Aus diesem Grund reicht es leider auch nicht aus, die sichtbaren, voll entwickelten Samen aufwändig aus den Blüten zu picken. In diesem Fall kann ein sogenannter Pollen-Shaker nützlich sein, mit dem man innerhalb weniger Minuten sein eigenes Haschisch herstellen kann.

Rastas rauchen gerne "Sin Semilla" also ohne Samen
Abb.3: Heute lässt sich leider nicht mehr genau nachverfolgen, woher der Ausdruck “Sin Semilla” stammt. In der Karibik sind die Worte bis heute ein Synonym für Cannabisblüten.

Damals wie heute: Sin Semilla!

Samy Deluxe weiß es, die Band Seeed weiß es, jeder Reggae-Artist des letzten Jahrhunderts wusste es: Sin Semilla is the way! Auf Deutsch übersetzt heißen die spanischen Worte nämlich nichts anderes als “Ohne Samen”. Ob der Begriff von mexikanischen Kartellen, Einwanderern oder einfach der karibischen Popkultur geprägt wurde, lässt sich heute leider nicht mehr genau nachverfolgen. Fakt ist aber, dass “Sin Semilla”, auch als “Sensimillia”, “Sensemila” ein Synonym für potente, samenfreie Cannabisblüten ist. Wie auch immer der Begriff entstanden ist: Der Erfinder hatte auf jeden Fall Ahnung von Qualität und Rauchgenuss!


Liebe Patient*innen und Ärzt*innen, verehrte Konsument*innen,

Schon gewusst? Über die Hälfte der Cannabispatienten sind weiblich! Und trotzdem haben wir in unseren Texten bewusst darauf verzichtet, gegenderte Formen zu verwenden, um die Lesbarkeit der Texte zu verbessern. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass wir keine Befürworter der Gleichstellung aller Geschlechter sind. Auch wenn wir nicht jedes Geschlecht einzeln ansprechen: Wir denken an alle!