CBD gegen Bluthochdruck: Was sagen Studien?
Wenn ein Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) vorliegt, ist der Druck in den Gefäßen, die das Blut vom Herzen zu den Organen transportieren, erhöht. Dabei birgt ein hoher Blutdruck erhebliche Risiken, da er kaum Beschwerden verursacht.
Mögliche Symptome können zum Beispiel Atemnot, Unruhe, Schwindel, Angst und ein Engegefühl in der Brust sein, wobei diese Beschwerden eher unspezifisch sind und nicht direkt einem zu hohen Blutdruck zugeordnet werden.
Ein unbehandelter Bluthochdruck kann im Körper jedoch großen Schaden anrichten bzw. leiden darunter die Blutgefäße. Infolge dessen kann ein Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere Krankheiten auftreten. Für Patienten ist es deshalb besonders wichtig, dass sie ihre Medikamente regelmäßig einnehmen, immer wieder Blutdruckmessungen vornehmen und ihre Blutdruckwerte im Blick haben sowie ggf. Lebensstiländerungen vornehmen.
Zusammenhang zwischen dem Endocannabinoid-System und dem Blutdruck
Vorläufige Untersuchungen legen nahe, dass die Dysregulation des Endocannabinoid-Systems (ECS) bei einer Vielzahl von Erkrankungen, darunter auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine zentrale Rolle spielen könnte. So weisen die Cannabinoid-Rezeptoren, ihre endogenen Liganden (Endocannabinoide) sowie Enzyme, die ihre Synthese und Abbau ermöglichen, im Herzkreislauf-System überlappende Verteilungen auf.
Darüber hinaus hat die pharmakologische Manipulation des ECS Auswirkungen auf den Blutdruck, die Herzkontraktilität (Fähigkeit des Herzmuskels, sich zusammenzuziehen und Blut aus den Herzkammern in die Blutgefäße zu pumpen) und weitere Funktionen.
Tierstudien haben gezeigt, dass Medikamente, die unter anderem auf die Cannabinoid-Rezeptoren abzielen, erfolgreich bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und Herzinfarkt getestet wurden. Allerdings gab es in früheren Studien an Menschen unerwartete schädliche Nebenwirkungen. Dementsprechend muss hier noch viel Forschung betrieben werden, um die genauen Zusammenhänge zwischen dem Endocannabinoid-System und dessen Beeinflussung durch Cannabinoide sowie dem Herzkreislauf-System zu klären.[1]
Studien: Auswirkungen von CBD auf den Blutdruck
Der Wirkmechanismus des Cannabinoids Cannabidiol (CBD) aus der Cannabispflanze ist sehr komplex und noch längst nicht komplett entschlüsselt. Ob CBD Einfluss auf den Blutdruck hat, wurde bisher kaum untersucht.
In einer Untersuchung beschäftigten sich Forscher mit der Wirkung von Cannabidiol (CBD) auf den Blutkreislauf und das Herz-Kreislauf-System. Ziel war es, herauszufinden, ob CBD messbare Effekte auf den Blutdruck, die Herzfrequenz oder den Blutfluss hat, wenn es in lebenden Organismen angewendet wird. Hierfür wurden 25 wissenschaftliche Studien analysiert, die diese Effekte untersucht hatten. Dabei stammen die Ergebnisse aus Experimenten mit verschiedenen Tieren und in einigen Fällen auch mit Menschen.
Es wurden zwei Arten der CBD-Anwendung betrachtet: eine einmalige (akute) Gabe und eine wiederholte Einnahme. Bei der akuten Einnahme von CBD unter normalen Bedingungen, also ohne Stress, hatte das Cannabinoid keinen Einfluss auf den Blutdruck oder die Herzfrequenz. Auch bei wiederholter Anwendung zeigte sich keine Wirkung auf die Herzfrequenz.
Anders sah es unter Stressbedingungen aus: Hier konnte eine einmalige Gabe von CBD den durch Stress verursachten Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz deutlich senken. In speziellen Experimenten mit Mäusen, die Schlaganfälle simulierten, konnte CBD außerdem den Blutfluss im Gehirn erhöhen.
Die Studienergebnisse waren jedoch nicht einheitlich, und es gab Schwankungen in der Qualität der Untersuchungen. Insgesamt zeigte sich aber, dass CBD unter normalen Bedingungen keine wesentlichen Auswirkungen auf den Blutkreislauf hat, aber unter Stressbedingungen oder in bestimmten Krankheitsmodellen nützlich sein könnte. Weitere Forschung ist jedoch notwendig, um genauere und umfassendere Erkenntnisse über die Wirkungen von CBD beim Menschen zu gewinnen.[2]

Einfluss von CBD auf den Blutdruck und die Gefäße
In einer Studie beschäftigten sich Forscher mit der Frage, ob CBD bei Menschen mit essentiellem Bluthochdruck (Hypertonie) den Blutdruck und die Gesundheit der Blutgefäße beeinflussen kann. Aufgebaut wurde sie als sogenannte Cross-over-Studie, das bedeutet, dass die Teilnehmer sowohl CBD als auch ein Placebo (ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff) erhielten, aber zu unterschiedlichen Zeiten, damit die Ergebnisse besser miteinander verglichen werden konnten.
In einer speziellen Analyse innerhalb dieser Studie wurde untersucht, ob das Hormon Urotensin-II im Blut die durch CBD verursachten Veränderungen im Blutdruck und in der Funktion der Blutgefäße widerspiegelt. Dabei ist Urotensin-II bekannt dafür, dass es die Blutgefäße verengen kann und daher eine Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks spielt.
Insgesamt nahmen 51 Patienten teil, die an leichtem bis mittelschwerem Bluthochdruck litten. Diese nahmen fünf Wochen lang CBD in Form von Kapseln ein und nach einer Pause für weitere fünf Wochen ein Placebo.
Nach den fünf Wochen, in denen CBD eingenommen wurde, sanken die Urotensin-II-Werte signifikant. Das heißt, der Rückgang war statistisch bedeutsam und nicht zufällig. Im Gegensatz dazu blieb der Urotensin-II-Spiegel nach der Einnahme des Scheinmedikamentes ohne Wirkstoff unverändert.
Interessanterweise zeigte die Studie, dass der Rückgang des mittleren Blutdrucks über 24 Stunden (eine wichtige Messung für Bluthochdruck) in einem positiven Zusammenhang mit der Senkung der Urotensin-II-Werte stand. Je stärker also der Urotensin-II-Spiegel sank, desto mehr ging auch der Blutdruck zurück. Diese Verbindung zwischen Urotensin-II und dem Blutdruck war unabhängig von anderen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Körpergewicht oder vorheriger Einnahme von Blutdruckmedikamenten.
Bei den Probanden, die das Medikament ohne Wirkstoff erhielten, wurde keine solche Beziehung zwischen den Urotensin-II-Werten und dem Blutdruck festgestellt. Dies legt nahe, dass die Wirkung auf Urotensin-II und den Blutdruck spezifisch auf die Einnahme von CBD zurückzuführen ist.
Die Forscher schlussfolgerten, dass Urotensin-II eine Rolle in der Blutdrucksenkung spielen könnte, die durch CBD vermittelt wird. Dennoch sind weitere Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und besser zu verstehen, wie CBD auf das Herz-Kreislauf-System wirkt.[2]
Hinweis: In den oben aufgeführten Informationen berichten wir ausschließlich über verschreibungspflichtiges medizinisches Cannabis mit all seinen Cannabinoiden oder verschreibungspflichtiges Cannabidiol (CBD). Die Studienergebnisse sind nicht eins zu eins auf frei käufliches CBD-Öl, CBD-Kapseln oder andere CBD-Produkte übertragbar. Die Unterschiede erklärt dieser Artikel. Zudem machen wir zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschläge und geben auch keine Anwendungsempfehlungen oder Nutzversprechen.
CBD-Produkte wie CBD-Öl bei Bluthochdruck
CBD-Öl, -Kapseln oder -Isolat sind keine Arzneimittel und besitzen weder eine standardisierte noch pharmazeutische Qualität wie das CBD, das in den oben genannten Studien zur Anwendung kam.
Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass sich frei käufliche CBD-Produkte nicht dafür eignen, einen Bluthochdruck zu behandeln. Es sollten auf keinen Fall Blutdruckmedikamente ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Auch eine Reduktion der Dosis darf nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
Zu bedenken ist auch, dass zwischen CBD und Medikamenten Wechselwirkungen entstehen können. Sollte die Anwendung von CBD-Produkten in Erwägung gezogen werden, sollte vorab mit einem Arzt gesprochen werden.
Zusammenfassung zu CBD gegen Bluthochdruck
In den vorgestellten Studien konnte CBD keine ausreichende blutdrucksenkende Wirkung zeigen. Möglich wäre, dass CBD dem stressbedingten Anstieg des Blutdrucks entgegenwirken könnte. Aber auch hierfür hat die Wissenschaft noch keine ausreichenden Belege. Es muss natürlich auch gesagt werden, dass fast keine klinischen Studien (am Menschen) mit CBD bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems durchgeführt wurden.
Informationen zu Cannabis als Medizin und mögliche Einsatzgebiete sind hier zu finden.
Die Inhalte dieses Artikels sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellen weder eine Beratung noch eine Anwendungsempfehlung für Medikamente, Cannabis oder andere Produkte dar. Auch dienen die Inhalte nicht zur Erstellung einer eigenständigen Diagnose oder Auswahl einer Behandlungsmethode. Für Schäden oder Ähnliches, die durch die Nutzung der Inhalte entstehen, kann Greensby weder direkt noch indirekt haftbar bzw. zur Verantwortung gezogen werden. Wir empfehlen grundsätzlich, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.
FAQs
Was ist Bluthochdruck?
Bei einem Bluthochdruck (Hypertonie) ist der Druck in den Blutgefäßen dauerhaft zu hoch. Das Herz muss dabei stärker arbeiten, um Blut durch die Arterien zu pumpen. Normalerweise liegt der Blutdruck bei gesunden Personen bei etwa 120/80 mmHg. Werte von 140/90 mmHg oder höher gelten als Bluthochdruck.
Was ist der Grund für zu hohen Blutdruck?
Für einen Bluthochdruck können verschiedene Ursachen infrage kommen. Oftmals ist es ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Faktoren, wie zum Beispiel Übergewicht, Bewegungsmangel oder eine ungesunde Ernährung. Auslöser können zudem verschiedene Erkrankungen sein. Ebenso können Betroffene eine genetische Veranlagung für einen Blutdruck haben.
Ist CBD blutdrucksenkend?Â
In verschiedenen Studien, hauptsächlich in Labor- und Tierstudien, fanden Forscher Hinweise darauf, dass Cannabidiol (CBD) gefäßerweiternde Effekte haben kann. Allerdings lässt sich wissenschaftlich nicht belegen, dass CBD den Blutdruck senken kann. Ggf. kann CBD dem stressbedingten Anstieg des Blutdrucks entgegenwirken, was jedoch nicht bewiesen ist.
Wie viel CBD bei Bluthochdruck?Â
Cannabidiol (CBD) und vor allem frei käufliche CBD-Produkte sind keine geeigneten Mittel, um einen Bluthochdruck (Hypertonie) zu behandeln. Eine blutdrucksenkende Wirkung von CBD ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Es finden sich lediglich vage Hinweise darauf, dass CBD womöglich bei stressbedingtem Bluthochdruck nützlich sein könnte, was aber nicht eindeutig belegt ist.
Quellen
[1] Sierra S, Luquin N, Navarro-Otano J. The endocannabinoid system in cardiovascular function: novel insights and clinical implications. Clin Auton Res. 2018 Feb;28(1):35-52. doi: 10.1007/s10286-017-0488-5. Epub 2017 Dec 8. PMID: 29222605, Download vom 30.12.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29222605/
[2] Sultan SR, Millar SA, England TJ et. al, A Systematic Review and Meta-Analysis of the Haemodynamic Effects of Cannabidiol. Front Pharmacol. 2017 Feb 24;8:81. doi: 10.3389/fphar.2017.00081. PMID: 28286481; PMCID: PMC5323388, Download vom 30.12.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28286481/
[3] Kumric M, Dujic G, Vrdoljak J, Supe-Domic D et. al, Effects of CBD supplementation on ambulatory blood pressure and serum urotensin-II concentrations in Caucasian patients with essential hypertension: A sub-analysis of the HYPER-H21-4 trial. Biomed Pharmacother. 2023 Aug;164:115016. doi: 10.1016/j.biopha.2023.115016. Epub 2023 Jun 13. PMID: 37321059, Download vom 30.12.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37321059/
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