Hilft CBD gegen Übelkeit und Erbrechen?

In den letzten Jahren wurden verschiedene Studien durchgeführt, um den Nutzen von Cannabisarzneimitteln bei der Linderung von Nebenwirkungen, die mit einer Chemotherapie einhergehen, zu untersuchen. Das berauschend wirkende Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) scheint eine nützliche therapeutische Option zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen zu sein, vor allem dann, wenn Betroffene schlecht auf die üblichen Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit) ansprechen.[1]
Untersuchungen zu CBD gegen Übelkeit
Studien, in denen die Wirkung von Cannabidiol (CBD) allein, ohne weitere Cannabinoide, gegen Übelkeit und Erbrechen untersucht wurde, gibt es kaum. Vor allem fehlen gut konzipierte klinische Studien (am Menschen). Denn bislang wurde CBD gegen Übelkeit nur an Tiermodellen untersucht.
Interessant ist eine Untersuchung, bei der Forscher den Effekt von CBD und CBDA (Cannabidiolsäure) sowie HU-580 an männlichen Ratten untersuchten, bei denen Übelkeit ausgelöst wurde. Bei dem Wirkstoff HU-580 (Cannabidiol-Säuremethylester) handelt es sich um das synthetische Analogon von CBDA.
Ziel war es, die Wirkung jeder einzelner Substanz gegen Übelkeit zu testen, und ob diese durch den Serotoninrezeptor 5-HT1A vermittelt wird. Dabei befindet sich der 5-HT1A-Rezeptor (Serotoninrezeptor) im Gehirn und ist Teil des Serotoninsystems. Serotonin ist wiederum ein Neurotransmitter (Botenstoff), der eine wichtige Rolle bei der Regulation von Stimmung, Angst, Schlaf, Appetit und anderen Funktionen spielt.
Die Ratten erhielten Dosierungen von:
- 5 mg/kg CBD
- 1 μg/kg CBDA
- 1 μg/kg HU-580
sowie vierwöchentliche Verabreichung von 5 mg und 20 mg/kg.
Auch bei wiederholter Einnahme wirkten alle drei Substanzen gegen Übelkeit und Brechzeit über die Aktivierung der 5-HT1A-Rezeptoren, ohne dass die Tiere eine Toleranz gegen die Substanzen entwickelten.[2]
Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Forscher in einer weiteren Untersuchung an Spitzmäusen und auch hier heißt es, dass CBD und CBDA Übelkeit und Brechreiz mindern konnten. Dabei konnte CBDA die 5-HT1A-Rezeptoren stärker aktivieren.[3]
Zusammenfassung zu CBD bei Übelkeit
Cannabis als Medizin kommt bei Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen sowie Appetitverlust zum Einsatz, die durch Chemotherapeutika bzw. einer Chemotherapie ausgelöst werden. Die Cannabinoide aus der Cannabispflanze interagieren mit dem Endocannabinoid-System (ECS) und seinen Cannabinoid-Rezeptoren, das zum Nervensystem gehört und an der Regulierung verschiedener Prozesse im Körper beteiligt ist. Hauptverantwortlich für die Reduzierung von Übelkeit und Erbrechen ist das Cannabinoid THC.
CBD ist ebenfalls ein Cannabinoid, dessen isolierte Wirkung gegen Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen kaum untersucht wurde. Lediglich verschiedene Tierversuche deuten darauf hin, dass CBD das Potenzial besitzt, bei diesen Beschwerden nützlich sein könnte.
Informationen zu Cannabis als Medizin und mögliche Einsatzgebiete sind hier zu finden.
Hinweise: In den oben aufgeführten Informationen berichten wir ausschließlich über verschreibungspflichtiges medizinisches Cannabis mit all seinen Cannabinoiden oder verschreibungspflichtiges Cannabidiol (CBD). Die Studienergebnisse sind nicht auf frei käufliche wie CBD-Öle, CBD-Kapseln etc. übertragbar. Die Unterschiede erklärt dieser Artikel. Zudem machen wir zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschläge und geben auch keine Anwendungsempfehlungen oder Nutzversprechen.
Produkte wie CBD-Öl gegen Übelkeit und Erbrechen
Warum sich medizinisches CBD mit frei käuflichen CBD-Produkten nicht vergleichen lässt, liegt unter anderem daran, dass CBD-Öle & Co keine standardisierte Qualität aufweisen und nicht aus der Cannabis-Pflanze, sondern aus Nutzhanf hergestellt werden. Zudem werden in Studien sehr hohe Dosierungen verwendet. Nehmen wir als Beispiel die erstgenannte Untersuchung. Hier bekamen die Tiere unter anderem 5 mg CBD/kg und 20 mg CBD/kg, was sich als wirksam erwies.
Eine Ratte wiegt etwa 500 gr, sodass die Dosis nicht sehr hoch erscheint. Übertragen wir das aber auf den Menschen würde das Folgendes bedeuten:
Ein Mensch mit 65 kg Körpergewicht müsste 5 mg CBD/kg einnehmen – das wären 325 mg CBD. Wenn ein Tropfen CBD-Öl etwa 2,2 mg CBD enthält, wären das pro Tag 148 Tropfen. Bei einer Gabe von 20 mg/kg sind wir bei 1.300 mg CBD. Dementsprechend wäre die Einnahme von CBD-Öl mit 590 Tropfen notwendig. Dies untermauert noch einmal, dass sich Studien nicht auf CBD-Öl übertragen lassen.
Ob CBD-Öl überhaupt gegen akute Übelkeit und Erbrechen nützlich ist, kann weder bestätigt noch widerlegt werden. Aus unterschiedlichen Erfahrungsberichten ist bekannt, dass CBD-Öl hilfreich sein kann. Wiederum andere Nutzer berichten, dass CBD-Öl keine Linderung verschafft hat.
Grundsätzlich ist bei der Einnahme von CBD-Öl & Co in Kombination mit Chemotherapeutika Vorsicht geboten, da hierdurch Wechselwirkungen entstehen können. Das bedeutet, dass CBD die Wirkung der Medikamente abschwächen oder verstärken kann, was bei einer Krebserkrankung unter Umständen lebensgefährlich sein kann. Deshalb sollte die Einnahme nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
Die Inhalte dieses Artikels sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellen weder eine Beratung noch eine Anwendungsempfehlung für Medikamente, Cannabis oder andere Produkte dar. Auch dienen die Inhalte nicht zur Erstellung einer eigenständigen Diagnose oder Auswahl einer Behandlungsmethode. Für Schäden oder Ähnliches, die durch die Nutzung der Inhalte entstehen, kann Greensby weder direkt noch indirekt haftbar bzw. zur Verantwortung gezogen werden. Wir empfehlen grundsätzlich, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.
FAQs
Ist CBD gut gegen Übelkeit?
Es gibt bislang nur Untersuchungen an Tiermodellen, die Hinweise darauf geben, dass medizinisches CBD gegen Übelkeit nützlich sein könnte. Ob das Cannabinoid tatsächlich Übelkeit-reduzierende Eigenschaften entfalten kann, wurde von Wissenschaftlern noch nicht eindeutig bewiesen.
Wie wirkt CBD auf den Magen?
Es ist unklar, ob und welche Wirkung das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) auf den Magen hat. Bislang gibt es kaum Forschung zu diesem Thema. Während sich medizinisches Cannabis bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit als nützlich gezeigt hat, finden sich zur Wirkung von CBD nur Untersuchungen an Tiermodellen.
Wann soll man CBD nicht nehmen?
Zwischen CBD und Arzneimitteln können Wechselwirkungen entstehen. Aus diesem Grund sollte vor der Anwendung unbedingt mit einem Arzt Rücksprache gehalten werden. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Benommenheit, Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit sowie Magen-Darm-Beschwerden auftreten können.
Quellen
[1] Grimison P, Mersiades A, Kirby A et. al, Oral THC:CBD cannabis extract for refractory chemotherapy-induced nausea and vomiting: a randomised, placebo-controlled, phase II crossover trial. Ann Oncol. 2020 Nov;31(11):1553-1560. doi: 10.1016/j.annonc.2020.07.020. Epub 2020 Aug 13. PMID: 32801017, Download vom 31.12.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32801017/
[2] Rock EM, Sullivan MT, Collins SA et. al, Evaluation of repeated or acute treatment with cannabidiol (CBD), cannabidiolic acid (CBDA) or CBDA methyl ester (HU-580) on nausea and/or vomiting in rats and shrews. Psychopharmacology (Berl). 2020 Sep;237(9):2621-2631. doi: 10.1007/s00213-020-05559-z. Epub 2020 Jun 2. PMID: 32488349, Download vom 31.12.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32488349/
[3] Bolognini D, Rock EM, Cluny NL, Cascio MG, Limebeer CL, Duncan M, Stott CG, Javid FA, Parker LA, Pertwee RG. Cannabidiolic acid prevents vomiting in Suncus murinus and nausea-induced behaviour in rats by enhancing 5-HT1A receptor activation. Br J Pharmacol. 2013 Mar;168(6):1456-70. doi: 10.1111/bph.12043. PMID: 23121618; PMCID: PMC3596650, Download vom 31.12.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23121618/
Weitere Artikel
Kommentare (0)
Du hast noch eine Frage, einen Tipp oder eine Anregung zum Artikel?
Wir freuen uns über jeden Kommentar!
Beliebte Artikel
-
24.04.2025
Cannabis-Club Inntal erhält erste Anbaugenehmigung in Bayern!
Der Cannabis-Club Inntal aus Raubling hat als erster Anbauverein in Bayern offiziell die Genehmigung zum Eigenanbau von Cannabis erhalten. Über…
Zum Artikel -
24.04.2025
Größter illegaler Cannabis-Fund seit Eröffnung des BER – Zoll entdeckt 68 Kilo!
Am Flughafen Berlin Brandenburg (BER), der im Oktober 2020 eröffnet wurde, hat der Zoll Anfang April 2025 den bisher größten…
Zum Artikel -
22.04.2025
Kommentar: Hat das BKA die Pharma übersehen?
In den letzten Stunden mehren sich die Berichte: Ein Sprecher des Bundeskriminalamts hat sich zur Legalisierung geäußert. Das Fazit: Die…
Zum Artikel -
22.04.2025
„Mein schöner Garten“ berichtet offen über Hanf im Garten
Mit der Legalisierung von Cannabis zum 1. April 2024 wird Hanf endlich auch in klassischen Gartenmagazinen zum Thema – etwa…
Zum Artikel