Bipolare Störung: Medizinalcannabis als Option?

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Die bipolare Störung ist eine psychische Erkrankung, die durch extreme Stimmungsschwankungen gekennzeichnet ist. Betroffene erleben Phasen intensiver Hochstimmung (Manie oder Hypomanie), in denen sie sich übermäßig energiegeladen, euphorisch oder reizbar fühlen, gefolgt von Tiefphasen (Depression), die durch starke Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Hoffnungslosigkeit geprägt sind. Diese Stimmungsschwankungen können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Dabei tritt die bipolare Störung in der Regel in Episoden auf und variiert in ihrer Schwere.

Bipolare Störung: Was sind die Ursachen?

Die Ursachen einer bipolaren Störung sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass eine Kombination aus genetischen, biologischen und umweltbedingten Faktoren zur Entwicklung dieser Störung beiträgt.

Menschen, die nahe Verwandte (Eltern oder Geschwister) mit einer bipolaren Störung haben, können ein erhöhtes Risiko haben, ebenfalls an der Störung zu erkranken. Zudem haben Zwillings- und Familienstudien gezeigt, dass die genetische Veranlagung einen erheblichen Einfluss hat, auch wenn die bipolare Störung nicht direkt vererbt wird. Es gibt keine einzelnen Gene, die die Störung verursachen, aber bestimmte Genvariationen können das Risiko erhöhen.

Darüber hinaus stehen auch biochemische Veränderungen im Gehirn unter Verdacht, eine bipolare Störung auslösen zu können. Bei Betroffenen kann ein Ungleichgewicht verschiedener Botenstoffe (Neurotransmitter) wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin vorliegen. Solch ein Ungleichgewicht kann die Stimmungsschwankungen von Manie und Depression mitverursachen.

Neurowissenschaftliche Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass Betroffene Veränderungen in bestimmten Hirnregionen aufweisen können, insbesondere in Bereichen, die für die Regulierung von Emotionen, Entscheidungsfindung und Impulskontrolle verantwortlich sind.

Darüber hinaus werden auch belastende oder traumatische Lebensereignisse als Auslöser diskutiert bzw. können diese die Symptome verschlimmern. Das Gleiche gilt für den Missbrauch von Alkohol oder Drogen, der eine Episode von Manie oder Depression auslösen sowie das Gleichgewicht der Neurotransmitter weiter beeinträchtigen kann.

Es wird außerdem vermutet, dass auch hormonelle Veränderungen eine Rolle bei der Entstehung oder Verschlimmerung der bipolaren Störung spielen können, da Schwankungen in der Hormonausschüttung die Stimmung beeinflussen. Insbesondere während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren können hormonelle Umstellungen das Risiko für bipolare Episoden erhöhen.

Symptome einer bipolaren Störung

Die Symptome unterscheiden sich danach, welche Stimmungsstörung aktuell vorliegt. Im Rahmen einer depressiven Episode können Symptome wie Antriebslosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Interessenlosigkeit, Denk- oder Konzentrationsstörungen auftreten. Dabei reicht das Ausmaß dieser Beschwerden von einer leicht gedrückten Stimmung bis hin zur Schwermütigkeit und Gefühllosigkeit. Häufig zeigen Betroffene keinerlei Gestik und Mimik, sprechen mit leiser, zögerlicher Stimme und erleben ihre Umwelt als grau und trist. Sie fühlen sich wertlos oder schuldig. Infolge dessen ziehen sie sich von ihren Mitmenschen zurück und leiden unter weiteren Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, innere Unruhe, Angst und mangelndes sexuelles Interesse.

Viele Betroffene entwickeln zudem Selbstmordgedanken. Das Suizidrisiko ist in solchen Phasen besonders hoch.

In einer manischen Phase treten Symptome wie eine unangemessene gehobene oder aber reizbare Stimmung, eine Antriebssteigerung sowie beschleunigtes Denken und Selbstüberschätzung auf. Einige Betroffene geben leichtsinnig vermehrt Geld aus oder weisen ein sexuell enthemmtes Verhalten auf. Eine solche manische Phase kann gravierende finanzielle und gesundheitliche Folgen haben.

Hinzu kommt, dass sich auch wahnhafte Symptome wie ein Größenwahn entwickeln kann, sodass Betroffenen womöglich die Krankheitseinsicht fehlt.

Wie wird eine bipolare Störung behandelt?

Die Behandlung der bipolaren Störung zielt darauf ab, die extremen Stimmungsschwankungen zu stabilisieren, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Sie umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie, und in manchen Fällen werden auch alternative Ansätze genutzt.

Medikamente sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung, um sowohl manische als auch depressive Episoden zu kontrollieren und Rückfälle zu verhindern. Verordnet werden meist Arzneimittel wie Antikonvulsiva (z. B. Valproat oder Lamotrigin) als Stimmungsstabilisatoren. In akuten manischen und psychotischen Episoden können auch Antipsychotika (z. B. Olanzapin oder Quetiapin) verschrieben werden. Hingegen werden depressive Phasen meist mit Antidepressiva behandelt.

Des Weiteren ist die Psychotherapie ein wichtiger Teil der Behandlung und hilft den Betroffenen, ihre Krankheit besser zu verstehen, emotionale Bewältigungsstrategien zu entwickeln und den Umgang mit Stimmungsschwankungen zu erlernen. Mögliche Therapieformen sind:

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Diese Therapieform hilft den Patienten, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern. Sie kann besonders hilfreich sein, um depressive Episoden zu bewältigen und Rückfälle zu verhindern.
  • Interpersonelle und soziale Rhythmus-Therapie: Diese Therapie konzentriert sich auf die Stabilisierung von täglichen Routinen, wie Schlafrhythmen und sozialen Aktivitäten, da Unregelmäßigkeiten oft Stimmungsschwankungen auslösen können.
  • Familientherapie: Da die bipolare Störung das gesamte familiäre Umfeld betreffen kann, kann eine Familientherapie dabei helfen, die Kommunikation und das Verständnis innerhalb der Familie zu verbessern.

Cannabis als Medizin bei einer bipolaren Störung

Statistiken zufolge haben Patienten mit einer bipolaren Störung eine erhöhte Neigung zum Alkohol- und Drogenmissbrauch. Aus diesem Grund wird in diesem Beitrag sehr vorsichtig mit dem Thema Cannabis umgegangen.

Wichtige Erkenntnisse zum Thema Cannabis und bipolare Störung zeigt eine Studie aus dem Jahr 2015, an der 24 Betroffene teilnahmen. Diese konsumierten Cannabis für Freizeitzwecke mindestens dreimal pro Woche und sollten sechs Tage lang ein Tagebuch führen, um zu dokumentieren, wie sich der Cannabiskonsum auf die depressiven oder manischen Phasen auswirken. In den Ergebnissen heißt es, dass sich die manischen und depressiven Phasen durch den Cannabiskonsum verstärkten.[1]

Jüngere Studien, wie eine Studie aus dem Jahr 2023, kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass der Cannabiskonsum mit einer Verschlechterung des Verlaufs von bipolaren Störungen und schweren depressiven Störungen verbunden ist.[2]

Grundsätzlich ist vom Cannabiskonsum beim Vorliegen einer bipolaren Störung abzuraten, da dieser das Risiko für negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit erhöhen kann. Insbesondere können Cannabissorten mit hohem THC-Gehalt die manischen Episoden verschlimmern oder sogar auslösen. Denn THC kann die Stimmung heben, was bei Menschen mit einer Neigung zu Manie riskant ist. Infolge dessen könnten sie verstärkte Euphorie, Reizbarkeit, impulsives Verhalten oder Schlaflosigkeit erleben. Hinzu kommt, dass nach einem kurzfristigen Hochgefühl durch Cannabis es zu einem starken Stimmungsabfall kommen kann, der depressive Phasen noch verstärkt.

Darüber hinaus muss auch bedacht werden, dass Menschen mit bipolarer Störung Medikamente wie Stimmungsstabilisatoren, Antipsychotika oder Antidepressiva einnehmen und dass durch den Cannabiskonsum unvorhersehbare Wechselwirkungen ausgelöst werden. Dies könnte dazu führen, dass die Medikamente weniger effektiv sind oder stärkere Nebenwirkungen verursachen.

Weitere Informationen zum Thema psychische Erkrankungen und medizinisches Cannabis enthält dieser Artikel.

Zusammenfassung zum Cannabiskonsum bei bipolarer Störung

Die bipolare Störung ist eine schwere psychische Erkrankung und es dauert meist viele Jahre, bis sich Betroffene auf eine medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung einlassen, da sie vor allem in manischen Phasen meist keine Krankheitseinsicht zeigen und ihre Medikamente absetzen. Dementsprechend birgt der Cannabiskonsum erhebliche Risiken, da es die Symptome verschlimmern, psychotische Episoden auslösen und die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen kann. Deshalb sollten Betroffene Cannabis meiden, um die Stabilität der psychischen Gesundheit zu unterstützen und Rückfälle zu verhindern.

Die Inhalte dieses Artikels sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellen weder eine Beratung noch eine Anwendungsempfehlung für Medikamente, Cannabis oder andere Produkte dar. Auch dienen die Inhalte nicht zur Erstellung einer eigenständigen Diagnose oder Auswahl einer Behandlungsmethode. Für Schäden oder Ähnliches, die durch die Nutzung der Inhalte entstehen, kann Greensby weder direkt noch indirekt haftbar bzw. zur Verantwortung gezogen werden. Wir empfehlen grundsätzlich, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.

FAQs

Kann Drogenkonsum eine bipolare Störung auslösen?

Das Risiko ist hoch, dass der Cannabiskonsum die bipolare Störung triggert sowie die Symptome in manischen und depressiven Phasen verstärkt. Deshalb ist grundsätzlich vom Konsum abzuraten. Zudem können Wechselwirkungen zwischen Cannabis und Medikamenten auftreten.

Quellen

[1] Tyler E, Jones S, Black N, Carter LA, Barrowclough C. The relationship between bipolar disorder and cannabis use in daily life: an experience sampling study. PLoS One. 2015 Mar 4;10(3):e0118916. doi: 10.1371/journal.pone.0118916. Erratum in: PLoS One. 2015 Mar 30;10(3):e0123953. doi: 10.1371/journal.pone.0123953. PMID: 25738578; PMCID: PMC4349825, Download vom 13.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25738578/

[2] Tourjman SV, Buck G, Jutras-Aswad D, Khullar A et. al, Canadian Network for Mood and Anxiety Treatments (CANMAT) Task Force Report: A Systematic Review and Recommendations of Cannabis use in Bipolar Disorder and Major Depressive Disorder. Can J Psychiatry. 2023 May;68(5):299-311. doi: 10.1177/07067437221099769. Epub 2022 Jun 16. PMID: 35711159; PMCID: PMC10192829, Download vom 13.10.2024 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35711159/

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Autorin

Alexandra Latour

Alexandra Latour hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Redakteurin und freiberufliche Autorin in der Health-Care-Branche. Anfang 2017 übernahm sie die Stelle als stellvertretende Chefredakteurin bei Leafly Deutschland und eignete sich in den darauffolgenden Jahren eine umfangreiche Fachexpertise in den Themen medizinisches Cannabis und frei käufliche CBD-Produkte an. Inzwischen ist Alexandra in der Cannabis-Branche fest verwurzelt und setzt sich neben ihrer Haupttätigkeit als Medizinredakteurin für die Aufklärung ein. Bitte beachten: Die Inhalte der Artikel sind ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin und spiegeln nicht zwingend die Ansichten des gesamten Teams wider.

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