In der Cannabis-Branche gibt es bestimmte Mythen und Behauptungen, die sich teilweise über viele Jahre hartnäckig halten. Doch in jedem Mythos steckt ein Funken Wahrheit…

Weiße Asche / White Ash

Seit Cannabis in den USA legalisiert und der Schwarzmarkt mehr oder weniger über Nacht kommerzialisiert wurde, kursiert die Behauptung, dass man gute Blütenqualität anhand der Farbe der Asche erkennen könne. Mit anderen Worten: Je “besser” eine Blüte ist, desto heller die Asche.

Die Farbe der Asche gibt bei komplett natürlichen Blüten, nur einen Hinweis auf einen einzigen Faktor: Je gleichmäßiger eine Blüte getrocknet wurde, desto heller ist die Asche. Wurde die Blüte unregelmäßig getrocknet, verbrennt sie auch unregelmäßig. Die Asche ist dann eher fleckig, teils dunkel – ähnlich wie bei einer Zigarette. Verschiedene Hell- und Dunkeltöne der Asche können aber auch darauf hindeuten, dass die Blüten nicht richtig verbrannt wurden. Zum Beispiel, weil der Joint unregelmäßig gedreht wurde oder die Temperatur beim Konsum zu niedrig war.

Die Qualität von Cannabis wird an vielen verschiedenen Faktoren gemessen: beispielsweise anhand von Wirkstoffgehalt, Terpenkonzentration, oder Volumen.

Ist die Asche dunkel, könnte das laut manchen Konsumenten und Händlern aber auch darauf hindeuten, dass die Blüte bei der Verbrennung nicht vollständig zu Asche verbrannt wurde, da sie zu viele Trichome enthielt. Sehr harzige Cannabisblüten können eine dunkle Asche hinterlassen. Eine andere Möglichkeit ist, dass die helle Asche von verbrannten Pflanzenresten wie Stängeln oder Blättern hervorgerufen wird, die weniger Harz enthalten und daher weniger dunkle Asche hinterlassen.

Es ist auch möglich, dass weiße Asche durch die Verbrennung anderer Materialien hervorgerufen wird. Beispiele dafür sind Papier, Plastik oder irgendwelche hinzugefügten Chemikalien, die zusammen mit dem Cannabis verbrennen.

Insgesamt lässt sich also sagen:

Die Farbe der Asche ist höchstens ein Richtwert dafür, wie gleichmäßig die Blüten getrocknet wurden, nicht aber für die Wirkstoffkonzentration oder andere Faktoren.

Mythos weiße Asche
Abb.1: Der Anblick täuscht: Die weiße Asche am Rand stammt vorwiegend von dem dicken Papier, welches gleichmäßig verbrennt. Zigaretten-Tabak verbrennt oft unregelmäßig.

Lila Stängel / Purple Stems

“Sind die Stängel lila, hat die Pflanze gefroren” – So oder ähnlich denken viele Grower oder Konsumenten, wenn sie eine Sorte mit einem leichten lila-Stich in die Hände bekommen. Niedrige Temperaturen sind tatsächlich eine simple Erklärung für violett gefärbtes Cannabis: Liegt die Temperatur regelmäßig unter 16°C, wird ein Teil des Chlorophylls in den Blättern in Stoffe umgewandelt, die für die Lila-Färbung sorgen.

Die als Anthocyane bekannten Farbstoffe kommen nicht nur in Cannabis vor, sondern sorgen in vielen Pflanzenarten für die typische Herbstfärbung.

Manche Cannabissorten haben aufgrund ihrer genetischen Veranlagung mehr Anthocyane als andere und neigen daher dazu, naturgemäß lila Stängel zu entwickeln. Es ist auch möglich, dass die Stiele einer Cannabispflanze violett verfärben, wenn sie bestimmten Nährstoffbedingungen ausgesetzt sind.

Die Farbe der Stiele und Blätter einer Cannabispflanze sind kein Indikator für ihre Qualität oder Wirksamkeit.

Echte “Purple”-Sorten sind aufgrund ihres Aussehens sehr beliebt – auch wenn sie nicht unbedingt potenter oder auf eine andere Art besser sind. Grundlegend lässt sich sagen: Wird die Farbveränderung durch Temperatur- oder Nährstoffprobleme ausgelöst, sind hauptsächlich die Blätter betroffen. Erscheinen die Blüten, inklusive Blütenhaare violett, liegt das oft an der Genetik. Über Potenz oder Qualität der Blüten, sagt die Farbe jedoch nichts aus.


Liebe Patient*innen und Ärzt*innen, verehrte Konsument*innen,

Schon gewusst? Über die Hälfte der Cannabispatienten sind weiblich! Und trotzdem haben wir in unseren Texten bewusst darauf verzichtet, gegenderte Formen zu verwenden, um die Lesbarkeit dieses Textes zu verbessern. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass wir keine Befürworter der Gleichstellung aller Geschlechter sind. Auch wenn wir nicht jedes Geschlecht einzeln ansprechen: Wir denken an alle!