CBD: Wechselwirkungen mit Medikamenten

CBD-Wechselwirkungen

Wechselwirkungen können entstehen, wenn unterschiedliche Medikamente bzw. Wirkstoffe sich gegenseitig beeinflussen. Dabei können sie sich in ihrer Wirkung wechselseitig verstärken oder auch abschwächen.

Mit der fortschreitenden Forschung, in der die Wirkung von CBD untersucht wird, konnten bereits wichtige Erkenntnisse zu den Wechselwirkungen von CBD mit bestimmten Medikamenten gewonnen werden. Dennoch sind viele Fragen offen, weshalb die Einnahme von CBD nicht unbedacht erfolgen sollte.

Wirkungsweise von CBD in der Leber

Im Körper unterliegen Wirkstoffe einer Vielzahl von biochemischen Um- und Abbauprozessen (Metabolismus). Die meisten dieser Prozesse finden in der Leber statt, sodass das Organ der primäre Ort der Verstoffwechselung von Arzneistoffen ist. Eine wichtige Rolle spielen spezielle Katalysatoren, und zwar die Cytochrom-P450-Enzyme.​ Dabei gibt es bereits verschiedene Studien, die gezeigt haben, CBD verschiedene Enzyme der Cytochrom-P450 beeinflussen kann.

CBD Wechselwirkungen: Medikamente können stärker wirken

In einer Studie berichten Forscher, dass CBD in der Lage ist, das Enzym CYP2C10 zu hemmen. Über dieses Enzym werden auch verschiedene Medikamente abgebaut wie beispielsweise der Säurehemmer Omeprazol oder das Neuroleptikum/Antiepileptikum Risperidon, das zur Behandlung von psychischen Erkrankungen und Epilepsie eingesetzt wird.​[1]

Da sich der Abbau dieser Arzneimittel bei gleichzeitiger Einnahme von CBD verlangsamt, kann die Arzneimittelwirkung stärker als gewünscht sein. Je nach Dosierung von Medikament und CBD kann es im schlimmsten Fall sogar zu lebensgefährlichen Nebenwirkungen kommen.

Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass es zwischen CBD sowie den Wirkstoffen Warfarin (Blutverdünner) und Diclofenac (Medikament gegen Schmerzen) zu einer Wechselwirkung kommen kann. Denn über das Enzym CYP2C9 kann CBD den Abbau dieser Wirkstoffe verlangsamen. Infolge dessen können sich sowohl die Wirkung als auch die Wirkdauer der Medikamente verstärken.[2]

Wechselwirkungen mit Medikamenten: CBD Wirkung wird verstärkt

Die Einnahme unterschiedlicher Medikamente, wie zum Beispiel Antimykotika zur Behandlung von Pilzerkrankungen, Ritonavir zur Behandlung einer HIV-Infektion oder das Antibiotikum Clarithromycin hemmen die Aktivität des Enzyms CYP2A4. Bei der gleichzeitigen Einnahme von CBD baut die Leber das Cannabinoid langsamer ab, was zur Folge hat, dass CBD längere Zeit im Körper verbleibt.[3] Problematisch ist dies, wenn Menschen dann immer weiter CBD einnehmen und sich der Wirkstoff nicht abbauen kann. Infolge dessen können starke Nebenwirkungen wie Sedierung, Benommenheit und Schlafstörungen auftreten.

Wechselwirkungen mit Medikamenten: CBD Wirkung nimmt ab

Bei einigen Arzneimitteln ist es so, dass diese die Aktivität verschiedener Enzyme beschleunigen können. Das sind zum Beispiel die Medikamente Phenobarbital (Beruhigungs- und Schlafmittel), Rifampicin (Antibiotikum) und Carbamazepin (Antiepileptikum). Dementsprechend kann die gleichzeitige Einnahme von CBD und diesen Arzneimitteln dazu führen, dass das Cannabinoid schneller im Körper abgebaut wird.[4]

Hohe CBD-Dosierungen kommen vor allem bei therapieresistenten Epilepsie-Erkrankungen zum Einsatz. Sollte nun die Wirkung von CBD durch die Kombination mit anderen Medikamenten vermindert werden, so kann dies für Menschen mit Epilepsie lebensgefährliche Folgen haben. Hier ist also äußerste Vorsicht geboten.

Übersicht: Wechselwirkungen von CBD mit Medikamenten

In einer Studie sind Wissenschaftler der Frage nachgegangen, welche Substanzen mit CBD wechselwirken können und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die gleichzeitige Einnahme von CBD und den folgenden Arzneien unerwünschte Effekte bis hin zu lebensgefährlichen Folgen haben kann:[5]

  • Antiepileptika wie Carbamazepin und Lamotrigin
  • Benzodiazepine wie Diazepam, Lorazepam, Clobazam und Clonazepam
  • Opioide (starke Mittel gegen Schmerzen) wie Morphine
  • Trizyklische Antidepressiva wie Trimipramin, Imipramin und Desipramin
  • Antibiotika wie Rifampicin
  • Antimykotika zur Behandlung von Pilzerkrankungen
  • Ritonavir zur Behandlung einer HIV-Infektion
  • Säurehemmer wie Omeprazol
  • Neuroleptika wie Risperdal
  • Blutverdünner wie Warfarin
  • Schmerzmittel wie Diclofenac

Cannabidiol (CBD) in der Krebstherapie

Cannabis als Medizin mit seinen Cannabinoiden wie CBD und Tetrahydrocannabinol (THC) wird seit Langem bei schweren Krebserkrankungen zur Linderung von Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit im Rahmen der Chemotherapie sowie gegen Schmerzen eingesetzt.

Ob und in welcher Weise Cannabidiol (CBD) allein mit Chemotherapeutika wechselwirkt, konnte die Forschung bislang nicht in klinischen Studien (am Menschen) klären. Denn aus ethischen Gründen ist es nicht vertretbar, Krebspatienten längere Zeit mit Cannabidiol zu behandeln, um entsprechende Erkenntnisse gewinnen zu können.

Da jedoch bekannt ist, dass CBD verschiedene Enzyme in der Leber beeinflussen kann und Chemotherapeutika ebenfalls durch diese verstoffwechselt werden, ist dringend von der CBD-Einnahme abzuraten. Sollte die Einnahme von CBD-Produkten in Erwägung gezogen werden, sollte vorab unbedingt Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.

Wechselwirkungen zwischen Arzneien und CBD-Produkten

Studien und Untersuchungen zu Wechselwirkungen zwischen dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD) aus der Hanfpflanze und Arzneimitteln werden nicht mit frei käuflichen CBD-Produkten wie CBD-Öl, CBD-Tropfen, CBD-Kapseln etc. durchgeführt. Denn diese Produkte können in ihrer Zusammensetzung und Qualität erheblich variieren. Außerdem werden CBD-Produkte wie CBD-Öl aus Hanf gewonnen, der einen geringen THC-Anteil aufweist. Hingegen wird medizinisches CBD aus THC-reichem Cannabis gewonnen und besitzt pharmazeutische Qualität. Zum Einsatz kommt zudem synthetisches CBD.

In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass in der Medizin der Wirkstoff CBD in einer hohen Dosierung zur Anwendung kommt. Solch hohe Dosen sind mit frei käuflichen CBD-Produkten nicht zu erreichen.

Das bedeutet aber nicht, dass es zu keiner Wechselwirkung kommen kann. Deshalb gilt auch hier: Die Einnahme der CBD-Produkte wie CBD-Öl darf nicht unbedacht erfolgen. Wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden, sollte zur Sicherheit vorab mit einem Arzt gesprochen werden, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden und um kein Risiko einzugehen.

Informationen zu den Wechselwirkungen zwischen Cannabis und Medikamenten gibt es hier.

Die Inhalte dieses Artikels sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellen weder eine Beratung noch eine Anwendungsempfehlung für Medikamente, Cannabis oder andere Produkte dar. Auch dienen die Inhalte nicht zur Erstellung einer eigenständigen Diagnose oder Auswahl einer Behandlungsmethode. Für Schäden oder Ähnliches, die durch die Nutzung der Inhalte entstehen, kann Greensby weder direkt noch indirekt haftbar bzw. zur Verantwortung gezogen werden. Wir empfehlen grundsätzlich, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.

FAQs

Wann sollte man CBD nicht nehmen?

Die Anwendung von CBD sollte immer vorab mit einem Arzt besprochen werden, wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden. Das gilt vor allem für Herzpatienten und Menschen mit Lebererkrankungen.

Ist es sicher, CBD zusammen mit anderen Medikamenten einzunehmen?

Die Kombination von CBD mit bestimmten Arzneistoffen kann unvorhersehbare Auswirkungen haben. So kann die Wirksamkeit von Medikamenten reduziert oder verstärkt werden. Deshalb sollten Anwender grundsätzlich einen Arzt um Rat fragen.

Kann CBD mit Medikamenten interagieren?

Ja, es gibt Interaktionen zwischen CBD und bestimmten Medikamenten, wie beispielsweise Blutverdünner, Antipsychotika, SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und anderen Antidepressiva. Deshalb ist grundsätzlich Vorsicht geboten und die Absprache mit einem Arzt besonders wichtig.

Quellen

[1] Jiang R, Yamaori S, Okamoto Y, Yamamoto I, Watanabe K. Cannabidiol is a potent inhibitor of the catalytic activity of cytochrome P450 2C19. Drug Metab Pharmacokinet. 2013;28(4):332-8. doi: 10.2133/dmpk.dmpk-12-rg-129. Epub 2013 Jan 15. PMID: 23318708, Download vom 03.03.2025 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23318708/

[2] Yamaori S, Koeda K, Kushihara M, Hada Y, Yamamoto I, Watanabe K. Comparison in the in vitro inhibitory effects of major phytocannabinoids and polycyclic aromatic hydrocarbons contained in marijuana smoke on cytochrome P450 2C9 activity. Drug Metab Pharmacokinet. 2012;27(3):294-300. doi: 10.2133/dmpk.dmpk-11-rg-107. Epub 2011 Dec 13. PMID: 22166891, Download vom 03.03.2025 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22166891/

[3] Brown JD, Winterstein AG. Potential Adverse Drug Events and Drug-Drug Interactions with Medical and Consumer Cannabidiol (CBD) Use. J Clin Med. 2019 Jul 8;8(7):989. doi: 10.3390/jcm8070989. PMID: 31288397; PMCID: PMC6678684, Download vom 03.03.2025 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31288397/

[4] Nasrin S, Watson CJW, Perez-Paramo YX, Lazarus P. Cannabinoid Metabolites as Inhibitors of Major Hepatic CYP450 Enzymes, with Implications for Cannabis-Drug Interactions. Drug Metab Dispos. 2021 Dec;49(12):1070-1080. doi: 10.1124/dmd.121.000442. Epub 2021 Sep 7. PMID: 34493602, Download vom 03.03.2025 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34493602/

[5] Balachandran P, Elsohly M, Hill KP. Cannabidiol Interactions with Medications, Illicit Substances, and Alcohol: a Comprehensive Review. J Gen Intern Med. 2021 Jul;36(7):2074-2084. doi: 10.1007/s11606-020-06504-8. Epub 2021 Jan 29. PMID: 33515191; PMCID: PMC8298645, Download vom 03.03.2025 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33515191/

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Autorin

Alexandra Latour

Alexandra Latour hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Redakteurin und freiberufliche Autorin in der Health-Care-Branche. Anfang 2017 übernahm sie die Stelle als stellvertretende Chefredakteurin bei Leafly Deutschland und eignete sich in den darauffolgenden Jahren eine umfangreiche Fachexpertise in den Themen medizinisches Cannabis und frei käufliche CBD-Produkte an. Inzwischen ist Alexandra in der Cannabis-Branche fest verwurzelt und setzt sich neben ihrer Haupttätigkeit als Medizinredakteurin für die Aufklärung ein. Bitte beachten: Die Inhalte der Artikel sind ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin und spiegeln nicht zwingend die Ansichten des gesamten Teams wider.

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