Kann CBD bei ADHS/ADS helfen?

CBD gegen ADHS

Heinrich Hoffmann, ein Frankfurter Arzt und Psychiater, verfasste im Jahr 1844 das Kinderbuch „Der Struwwelpeter“, in dem es um den kleinen Jungen Philipp ging, der einfach nicht am Tisch still sitzen konnte und ständig mit seinem Stuhl wackelte. Hoffmann schuf den „Zappelphilipp“ und fachte damit eine Diskussion darüber an, ob die Hyperaktivität eine „Unart“ oder eine psychische Störung ist.

Heute wird zwischen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) und ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) unterschieden. Zu den typischen ADHS-Symptomen gehören Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit. Bei der ADS leiden die Betroffenen ebenfalls unter einer Störung der Impulskontrolle und Unaufmerksamkeit, jedoch nicht unter einer Hyperaktivität. Weitere Symptome, die bei beiden Störungen auftreten können, sind unter anderem Verhaltensauffälligkeiten, verminderte Konzentrationsfähigkeit, Vergesslichkeit, gestörte Selbstregulation sowie ein schlechtes Zeitmanagement.

Was sind die Ursachen von ADHS/ADS?

Die genauen Auslöser von ADHS und ADS sind noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen von einer Kombination verschiedener Faktoren aus. Dabei spielen genetische Einflüsse in den meisten Fällen eine große Rolle, da die Störung in der Regel in Familien gehäuft auftritt. Auch neurobiologische Komponenten, wie eine veränderte Funktion der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn, können zu der typischen Symptomatik beitragen. Zudem können Umweltfaktoren wie Stress im frühen Kindesalter, Mangelernährung oder Schadstoffbelastung das Risiko erhöhen. Dementsprechend handelt es sich also um ein komplexes Zusammenspiel aus Vererbung, Gehirnchemie und äußeren Einflüssen.

Welche Rolle spielt das Endocannabinoid-System (ECS)?

Experten gehen davon aus, dass bei Menschen mit ADHS das Gleichgewicht der Neurotransmitter (Botenstoffe) im Gehirn verändert sein könnte.[1] Entscheidend sind hier vor allem die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, die nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Infolge dessen wird die Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen gestört.

Studien haben gezeigt, dass Dopamin, Serotonin („Glückshormon“) und Endocannabinoide (Cannabinoide, die der Körper selbst bilden kann) wichtige Neuromodulatoren sind, die an vielen Aspekten des motivierten Verhaltens beteiligt sind, darunter Belohnungsverarbeitung, Verstärkungslernen und Verhaltensflexibilität.[2]

Das ESC ist in der Lage, die dopaminerge und serotonerge Neurotransmission zu beeinflussen. Allerdings sind die genauen Mechanismen noch nicht geklärt. Forscher vermuten, dass nicht nur die Endocannabinoide einen Einfluss auf das Dopamin-System haben. Auch den Cannabinoiden aus der Cannabis-Pflanze werden diese Eigenschaft zugeschrieben.

Behandlung von ADHS/ADS

Die Standardtherapie von ADHS und ADS setzt sich in der Regel aus unterschiedlichen Säulen zusammen. Welche Therapie sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Schwere der Krankheit, der individuellen Symptome, aber auch davon, inwieweit sich Patienten überhaupt auf eine Behandlung einlassen ab.

Wenn die Erkrankung besonders schwer ausgeprägt ist, bekommen viele Patienten oftmals das Medikament Methylphenidat (Ritalin) verordnet. Dieser Wirkstoff soll den Dopamin-Mangel ausgleichen, indem er die Dopaminkonzentration im Gehirn erhöht. Da die Wirkung nach der Einnahme schnell einsetzt, leiden Betroffene weniger unter der Konzentrationsschwäche und können Probleme im alltäglichen Leben besser meistern. Auch ihr Verhalten können sie besser steuern. Das hat jedoch ein Problem zur Folge, denn die Anwendung von Ritalin ist mit Nebenwirkungen verbunden.

Cannabis bei ADHS und ADS

Verschiedene Studien legen nahe, viele drogenabhängige Menschen an ADHS leiden, was oft mit einem schwereren Verlauf der Suchterkrankung und einer geringeren Erfolgsquote bei der Behandlung einhergeht. Unter den illegalen Substanzen ist Cannabis die am häufigsten konsumierte Droge bei ADHS-Betroffenen. In den letzten Jahren hat sich jedoch ein Wandel abgezeichnet: Immer mehr Patienten greifen auf medizinisches Cannabis zurück. Diese Entwicklung führt jedoch zu wissenschaftlichen Diskussionen, insbesondere über die potenziellen Auswirkungen auf neurokognitive Funktionen – insbesondere bei jungen Menschen.

Es ist bekannt, dass der langfristige Konsum von Cannabis strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn bewirken kann. Bei medizinischer Anwendung kann dies je nach Erkrankung sogar gewünscht sein. Verschiedene Untersuchungen beschäftigen sich mit der Komorbidität von ADHS und Suchterkrankungen, wobei insbesondere Cannabiskonsumstörungen im Fokus stehen. In diesem Zusammenhang wurden theoretische Modelle entwickelt, um die Entstehung von ADHS und Suchterkrankungen besser zu verstehen. Dabei spielen vor allem das Belohnungs- und Motivationssystem des Gehirns eine Rolle, in die das sogenannte Default-Mode-Netzwerk und das Endocannabinoidsystem eingebunden sind.

Ein interessanter Aspekt ist, dass die hohe Häufigkeit von Suchterkrankungen bei ADHS-Betroffenen mit einem früheren Erkrankungsbeginn und Leistungseinbußen in mehreren Lebensbereichen verbunden ist. Gleichzeitig weisen Experten darauf hin, dass es an fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen über die therapeutischen Effekte von medizinischem Cannabis bei ADHS mangelt. Häufig basiert die Anwendung lediglich auf Vermutungen. Ob eine Cannabis-Therapie infrage kommt, muss letztendlich vom Arzt entschieden werden.

Hier geht es zum Ratgeber medizinisches Cannabis auf Rezept bei ADHS/ADS.

Studien zu CBD bei ADHS

Die Studienlage zur potenziellen Wirksamkeit von Cannabis bei einer Aufmerksamkeitsstörung ist sehr dünn. Angeführt wird oftmals eine Studie, in der ADHS-Patienten das Fertigarzneimittel Sativex erhielten. Hierbei handelt es sich um ein Mundspray, das Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) zu gleichen Teilen enthält. Die Forscher berichteten im Ergebnis, dass bei den Erwachsenen nach der Gabe des Medikamentes zu beobachten war, dass sich die Hyperaktivität sowie die impulsiven Verhaltensweisen besserten. Schwere Nebenwirkungen traten nach der Einnahme nicht auf.[3]

Einige weitere Studien sind hingegen nicht eindeutig. Es ist anzunehmen, dass durch den Einsatz von Cannabis verschiedene Beschwerden, wie zum Beispiel innere Unruhe oder rasende Gedanken, kurzzeitig eine Linderung erreicht wird. Langfristig kann THC jedoch die Symptome von ADHS/ADS auch verstärken.

Darüber hinaus birgt der Cannabiskonsum ein weiteres Risiko, vor allem bei jungen Erwachsenen. Denn je früher sie Cannabis anwenden, desto höher ist die Gefahr, dass sie eine Abhängigkeit entwickeln. Zudem steigt das Risiko für Depressionen, Angstzustände und Psychosen.

Studien, in denen die Wirkung von CBD allein, also ohne weitere Cannabinoide wie THC, untersucht wurde, existieren bislang nicht.

ADHS: CBD gegen Ängste und innere Unruhe

Oftmals berichten Betroffene von Phasen in ihrem Leben, in denen sie Ängste und eine innere Unruhe verspüren. Hier könnte CBD eine Hilfe darstellen, und zwar durch die Beeinflussung des Endocannabinoid-Systems. Denn dieses ist an der Regulierung verschiedener Prozesse im Körper beteiligt, unter anderem auch an dem Prozess, der für die Verarbeitung unserer Emotionen beteiligt ist. Studien zufolge besitzt CBD das Potenzial, eine angstlösende und beruhigende Wirkung entfalten zu können.[4]  

Frei käufliche CBD-Produkte bei ADHS

Bevor wir auf frei käufliche Produkte eingehen, die das Cannabinoid CBD enthalten, wie zum Beispiel CBD-Öl oder CBD-Tropfen, möchten wir darauf hinweisen, dass die Behandlung von ADHS grundsätzlich in die Hände von Fachärzten gehört. Ebenso weisen wir darauf hin, dass CBD nicht für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Deren Gesundheit sollte in keinem Fall riskiert werden. Auch bei Kindern und Jugendlichen gilt: Nicht ohne Absprache mit dem Facharzt.

Des Weiteren gilt: Zwischen Ritalin und CBD kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen. Betroffene sollten kein Risiko eingehen und ihre Gesundheit nicht gefährden!

Ob CBD-Öl bei ADHS hilfreich ist, kann weder eindeutig bejaht noch verneint werden. Von einigen Menschen mit ADHS wissen wir, dass ihnen CBD-Öl oder ein anderes CBD-Produkt hilft. Wiederum andere berichten, dass CBD-Öl keine ausreichende Wirksamkeit zeigt. Auch kann keine Aussage zu einer möglichen Dosierung von CBD bei ADHS getätigt werden.

Zusammenfassung zu CBD bei ADHS/ADS

Die Behandlung von ADHS/ADS gestaltet sich grundsätzlich aus den unterschiedlichsten Gründen schwierig. Die Forschungslage zur Wirkung von Cannabis bei ADHS/ADS ist bei Weitem nicht ausreichend, um hieraus eine eindeutige Indikation ableiten zu können. Sicherlich machen einige Betroffene gute Erfahrungen. Bei anderen kommt es wiederum zu einer Verstärkung der Symptome. Deshalb gilt hier grundsätzlich, dass die Verwendung von Cannabis nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen sollte.

Die Inhalte dieses Artikels sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellen weder eine Beratung noch eine Anwendungsempfehlung für Medikamente, Cannabis oder andere Produkte dar. Auch dienen die Inhalte nicht zur Erstellung einer eigenständigen Diagnose oder Auswahl einer Behandlungsmethode. Für Schäden oder Ähnliches, die durch die Nutzung der Inhalte entstehen, kann Greensby weder direkt noch indirekt haftbar bzw. zur Verantwortung gezogen werden. Wir empfehlen grundsätzlich, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.

FAQs

Kann CBD bei ADHS helfen?

Es existieren keine Studien darüber, ob CBD allein bei ADHS nützlich sein kann. Zu beachten ist, dass sich Medikamente wie Ritalin und CBD nicht vertragen, bzw. Wechselwirkungen auftreten können. Auch für Kinder ist die Einnahme von CBD ohne Rücksprache mit einem Arzt nicht zu empfehlen.

Welches CBD bei ADHS?

Ob CBD tatsächlich eine Hilfe für Menschen mit ADHS ist, kann nicht gesagt werden. Auch in Bezug auf die Dosierung kann keine Aussage getätigt werden. Außerdem sollten CBD-Produkte nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Quellen

[1] Ratgeber ADHS – Das Infoportal für Erwachsene mit ADHS, ADHS: Was passiert im Körper?

[2] Peters KZ, Cheer JF, Tonini R. Modulating the Neuromodulators: Dopamine, Serotonin, and the Endocannabinoid System. Trends Neurosci. 2021 Jun;44(6):464-477. doi: 10.1016/j.tins.2021.02.001. Epub 2021 Mar 3. PMID: 33674134; PMCID: PMC8159866, Download vom 04.03.2025 von https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8159866/

[3] Cooper RE, Williams E, Seegobin S, Tye C, Kuntsi J, Asherson P. Cannabinoids in attention-deficit/hyperactivity disorder: A randomised-controlled trial. Eur Neuropsychopharmacol. 2017 Aug;27(8):795-808. doi: 10.1016/j.euroneuro.2017.05.005. Epub 2017 May 30. PMID: 28576350, Download vom 04.03.2025 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28576350/

[4] Stanciu CN, Brunette MF, Teja N, Budney AJ. Evidence for Use of Cannabinoids in Mood Disorders, Anxiety Disorders, and PTSD: A Systematic Review. Psychiatr Serv. 2021 Apr 1;72(4):429-436. doi: 10.1176/appi.ps.202000189. Epub 2021 Feb 3. PMID: 33530732; PMCID: PMC8857699, Download vom 04.03.2025 von https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8857699/

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Autorin

Alexandra Latour

Alexandra Latour hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Redakteurin und freiberufliche Autorin in der Health-Care-Branche. Anfang 2017 übernahm sie die Stelle als stellvertretende Chefredakteurin bei Leafly Deutschland und eignete sich in den darauffolgenden Jahren eine umfangreiche Fachexpertise in den Themen medizinisches Cannabis und frei käufliche CBD-Produkte an. Inzwischen ist Alexandra in der Cannabis-Branche fest verwurzelt und setzt sich neben ihrer Haupttätigkeit als Medizinredakteurin für die Aufklärung ein. Bitte beachten: Die Inhalte der Artikel sind ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin und spiegeln nicht zwingend die Ansichten des gesamten Teams wider.

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