Viele Menschen wollen oder können keinen Cannabisblüten verdampfen, beispielsweise aufgrund von Lungenerkrankungen. Für diese Patienten gibt es seit vielen Jahren sogenannte Cannabisextrakte, in denen die Wirkstoffe gelöst sind.

Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sind beides oxidationsempfindliche Wirkstoffe. Die Stabilität und somit die Wirksamkeit dieser Cannabinoide können durch die Wahl eines geeigneten Trägeröls also erheblich beeinflusst werden.

Trägeröle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, wie zum Beispiel Traubenkernöl oder Sesamöl, unterliegen einem sogenannten oxidativen autokatalytischen Abbau. Dieser Abbau kann sich negativ auf die Stabilität von THC und CBD auswirken. Daher sind Öle mit hohem Gehalt an ungesättigten Fettsäuren nicht die optimale Wahl für die Verwendung in Cannabisextrakten.

Am besten eignen sich sogenannte mittelkettige Triglyceride (MCT), die daher auch von den meisten Herstellern von Cannabisextrakten verwendet werden. Ausnahmen sind der Hersteller Vertanical, der für seine Extrakte Sesamöl verwendet, oder Hapa Pharm, die Olivenöl verwenden.

Welchen Unterschied macht das Trägeröl?

Mittelkettige Triglyceride bestehen aus mittelkettigen gesättigten Fettsäuren. Sie haben ein geringes autooxidatives Potential, was sich positiv auf die Stabilität von THC und CBD auswirkt. Sie werden aus Kokosfett oder Palmkernöl gewonnen und sind farblos bis gelblich und neutral im Geruch und Geschmack.

Drei Hanfblätter auf einem weißen Tisch, auf den Blättern liegt eine schwarze Flasche mit einem Pipetten-Verschluss, die oft für Extrakte eingesetzt werden.
Abb 1 Für die Herstellung von Cannabisextrakten eigenen sich am besten Öle mit einem hohen Anteil an mittelkettigen gesättigten Fettsäuren, oft als “MCT-Öle” bezeichnet.

MCT-Öle haben zudem viele gesundheitliche Vorteile. Im Gegensatz zu langkettigen Fettsäuren werden MCTs im Körper schnell abgebaut und als Energiequelle genutzt, anstatt im Fettgewebe gespeichert zu werden. Kokos-MCT-Öl kann unter anderem den Stoffwechsel ankurbeln, Gewichtsverlust fördern, den Cholesterinspiegel sowie den Blutzuckerspiegel senken und hat außerdem entzündungshemmende Eigenschaften.

Sesamöl wird nur von dem Hersteller Vertanical als Trägeröl verwendet. Es wird aus Sesamsamen gewonnen und enthält u. a. die ungesättigten Fettsäuren, Ölsäure und Linolsäure, sowie Sesamol und Carvacrol. Sesamöl hat viele gesundheitliche Vorteile, inklusive der Reduzierung des Risikos von Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Diabetes, und ist reich an Antioxidantien. Sesamöl wird in der traditionellen Medizin häufig zur Behandlung verschiedener Leiden, einschließlich Verdauungsstörungen, Hautkrankheiten und Gelenkschmerzen, eingesetzt. Es findet auch regelmäßige Verwendung in der ayurvedischen und chinesischen Medizin.

Olivenöl, welches aus Oliven kaltgepresst wird, wird nur selten als Trägeröl für Cannabisextrakte verwendet. Derzeit nutzt nur der Hersteller Hapa Pharm Olivenöl als Trägeröl. Versuche haben gezeigt, dass in Olivenöl gelöste Wirkstoffe schneller abgebaut werden als in MCT-Öl. Es hat eine grün-bräunliche bis hellgelbe Farbe.

Wie sollten medizinische Cannabisextrakte gelagert werden?

Cannabisextrakte sollten, unabhängig vom Trägeröl, immer im Kühlschrank gelagert werden. In der Apotheke müssen Cannabis-Extrakte beispielsweise dauerhaft bei 2-8°C gelagert werden.